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Constanze Wilken

In Ihrem neusten Roman, „Der Duft der Wildrose“, entführt Constanze Wilken ihre Leser an die faszinierende walisische Küste und schickt ihre Protagonistin Caitlin auf die spannende Suche nach der Wahrheit. Woher Constanzes Faszination für Wales kommt, wie Caitlins Geschichte entstand und vieles mehr verrät sie uns in einem kurzen Interview.


Liebe Constanze, vielen Dank, dass Sie sich die Zeit für dieses Interview nehmen. Ihr neuster Roman „Der Duft der Wildrose“ ist im Mai im Goldmann Verlag erschienen. Können Sie unseren Lesern kurz erzählen, worum es in diesem Roman geht?

Im Kern dreht sich alles um Liebe, Verrat und Schuld. Auslöser für diese Geschichte ist ein Familiendrama, das sich in den siebziger Jahren ereignet. Ich lasse Birdie selbst erzählen, was sie und ihre Schwester Anne auf tragische Weise verband und letztlich dazu führt, dass meine junge Heldin der Gegenwart, Caitlin, sich mit ihrer Familiengeschichte und sich selbst auseinandersetzen muss. Cait, Birdies Nichte, kommt nach Snowdonia, um ihrer Tante beizustehen, die ins Krankenhaus muss. Nach und nach erfahren der Leser und Cait, was Birdie all die Jahre bedrückt hat. Während Cait sich mit den überraschenden Neuigkeiten konfrontiert sieht, lernt sie den Ranger Jake kennen und lieben. Jake kämpft gegen den illegalen Diebstahl seltener Vogeleier und will den Tod seines Freundes in den Bergen aufklären. Auch dieser Handlungsstrang ist mit Caits Familiengeschichte verwoben.


Caitlins Geschichte spielt im wunderschönen Wales. Ihre Leidenschaft für dieses wilde Land meint man in jedem Wort zu spüren. Woher kommt Ihr Interesse an Wales? Waren Sie für die Recherche auch längere Zeit vor Ort?

Auf der Suche nach einer Universität für meine Doktorarbeit kam ich erstmals nach Wales. Aberystwyth liegt in einer Bucht an der Irischen See. Ich erinnere mich noch gut an den stürmischen Septembertag, an dem ich dort auf den Klippen stand. Der Regen peitschte die Gischt vom Strand herauf, graue Wolken türmten sich am Himmel über dem kleinen Hafen. Auf dem Wasser tanzten Boote und bunte Häuser reihten sich an den Hügeln und der Uferpromenade entlang. Und über der Stadt thronte die National Library of Wales. Es war Liebe auf den ersten Blick! Ich blieb fünf Jahre, hängte noch eines dran und schrieb dort meinen ersten Roman.
Obwohl ich Wales ziemlich gut kenne und jedes Jahr dort bin, bin ich für die Recherche noch einmal nach Snowdonia gefahren. Vor allem die Szenen am Berg wollte ich genau recherchieren. Ich habe mich vor der Reise mit der Parkverwaltung in Verbindung gesetzt und dann vor Ort mit einem Ranger gesprochen. Die Hauptverwaltung sitzt in Penrhyndeudraeth – walisische Ortsnamen sind echte Zungenbrecher.


Neben der Faszination für die walisische Landschaft, merkt man Ihrem Roman auch die Verbundenheit mit der dortigen Tierwelt an. Jake, ihr männlicher Protagonist, kämpft besonders für die regionalen Vogelarten. Ist das ein Thema, was Ihnen persönlich am Herzen liegt, oder ein Plotelement, was sich einfach so ergeben hat?

Umwelt- und Tierschutz liegen mir tatsächlich sehr am Herzen, aber ich baue solche Themen nicht zielgerichtet in meine Geschichten ein. Jedes Plotelement muss eine Bereicherung für die Handlung sein. Meine Romane sollen in erster Linie spannend unterhalten. In diesem Fall war es tatsächlich so, dass der Ranger, mit dem ich in Snowdonia gesprochen habe, mich erst auf die illegale Szene von Eiersammlern aufmerksam machte, deren Mitglieder auf der ganzen Welt unterwegs sind, um seltene Vogeleier für ihre Vitrinen zu stehlen. Durch diese egoistische Sammelleidenschaft werden ganze Bestände ausgerottet. Diese skurril anmutende Leidenschaft hat ihre Wurzeln im 18. Jahrhundert und aus dieser Zeit datieren Sammlungen mit tausenden von Vogeleiern. Notorische Sammler werden in England immer wieder gefasst und mit Gefängnisstrafen belegt. 
In Snowdonia sind es die Eier von Seeadlern und Dohlen (chough), die besonders begehrt sind.


Egal ob Caitlin, Jake oder auch Tante Birdie, all Ihre Charaktere wirken beim Lesen sehr real und so, als würde man sie tatsächlich antreffen, wenn man den nächsten Urlaub nach Wales unternimmt. Wie bauen Sie solche authentischen Charaktere auf? Haben Sie von Beginn an die komplette Figur inklusive Hintergrundgeschichte und Eigenheiten im Kopf oder entwickelt sich das erst nach und nach beim Schreiben?

Teils teils – ich überlege mir vor der Recherchereise, was möglich ist, welche Schauplätze ich mir vorstelle und welche Figuren wo wie agieren sollen. Die Hauptfiguren sind dann schon angelegt, haben ihre Motivation, ihre Eigenschaften, ihre eigene Geschichte. Aber meine Figuren entwickeln auch ein Eigenleben, speisen sich aus den neugewonnen Eindrücken und entwickeln sich im Verlauf des Schreibens weiter, manchmal anders als geplant. Schreiben ist ein organischer Prozess, der zu jeder Zeit spannend bleibt.


Ihr Roman dreht sich um mehrere Handlungsstränge, neben Caitlins Geschichte nimmt auch Jakes Suche nach der Wahrheit einen großen Raum ein. Welcher dieser beiden Handlungsstränge war zuerst da? Was hat Sie zu Ihrem Roman inspiriert?

Die Idee um den Schwesternkonflikt war zuerst da. Daraus entwickelte sich das Drama um Birdie und Caitlin und wie oben erwähnt - nach Snowdonia bekam Jake seine Geschichte. Auch die Suche nach dem Schauplatz hat eine wichtige Rolle gespielt. Portmeirion habe ich seit meinem ersten Besuch vor vielen Jahren im Hinterkopf und wusste, dass dort irgendwann eine Geschichte spielen wird.


Wie lange haben Sie an „Der Duft der Wildrose“ gearbeitet, bis es bereit zur Veröffentlichung war? Fällt es nach all der Zeit dann schwer, die Charaktere gehen zu lassen und hatten Sie nie das Bedürfnis ein paar Jahre später gewissermaßen nochmal in ihr Leben einzutauchen und zu gucken, was aus Ihnen geworden ist?

Ungefähr 9 Monate hat es bis zur Geburt dieses Buchbabys gedauert. [lacht] Bei jedem Roman fällt es mir am Ende schwer, meine Figuren gehen zu lassen. Ich habe viele Monate mit ihnen gelebt und gelitten und verdrücke beim Schreiben auch hier und dort eine Träne. Es dauert dann immer einige Tage, bis ich aus der Romanwelt vollends aufgetaucht bin. Weil ich aber meist schon am nächsten Projekt arbeite, rücken dann dessen Protagonisten in den Vordergrund.


Bevor ich „Der Duft der Wildrose“ gelesen habe, kannte ich Sie hauptsächlich von Ihren historischen Romanen. Wie kam es zu diesem Genrewechsel und inwiefern unterscheidet sich das Vorgehen bei dem neuen Genre?

Ganz neu ist das Genre des spannenden Frauenromans nicht für mich, denn meine ersten vier Romane waren ähnlich angelegt. Auch, wenn dort oft ein historisches Geheimnis die Triebfeder der Geschichte war. „Der Duft der Wildrose“ spielt ausschließlich in der Gegenwart mit Rückblicken in das Leben einer der Hauptfiguren.
 Menschliche Schicksale sind spannend und in jeder Zeit faszinierend. Im Historiengenre spielen Faktoren, wie die genaue Recherche der geschichtlichen Umstände, die gesellschaftlichen Regeln, soziale und politische Gegebenheiten, Kleidung, eine wichtige Rolle. Ich habe ein ganzes Regal voller Literatur über historische Kostüme, Stoffe und sogar ein Buch über die Unterwäsche des 17. Jahrhunderts. Das fällt in der Gegenwart weg und ich kann mich auf andere Aspekte konzentrieren.


Könnten Sie sich auch vorstellen in einem ganz anderen Genre zu schreiben? Wird es also zum Beispiel je einen Thriller oder ein Jugendbuch von Ihnen geben?

Ich fühle mich in diesen beiden Genre und mit meiner Arbeit als Kunsthistorikerin zurzeit sehr wohl.


Welche Genre bevorzugen Sie selbst als Leser oder beschränken Sie das Lesen während des Schreibens ganz auf Sachbücher, um nicht abgelenkt zu werden?

Meist sind es tatsächlich Sachbücher, die ich zugegebenermaßen gern lese. Ansonsten bin ich sehr offen, lese gern historische Krimis/Romane, Romanbiographien oder regionaltypische Krimis wie die Reihe um Montalbano von Andrea Camilleri.


Es scheint grundsätzlich zwei Schriftsteller-Typen zu geben: die, die sich drei Wochen in einer einsamen Hütte einschließen und nicht essen oder schlafen bis das Buch fertig ist, und die, die diese Einsamkeit nicht brauchen, sondern kontinuierlich jeden Tag schreiben, egal wo sie gerade sind. Welcher Schriftsteller-Typ sind Sie oder haben Sie ein ganz anderes Vorgehen?

Ich gehöre eher zur zweiten Kategorie, schreibe bevorzugt abends bis nachts und an meinem Schreibtisch. Ein paar kleine Rituale gehören auch dazu.


Nach der Fertigstellung eines ersten Entwurfs folgt meistens eine nicht minder lange Zeit des Redigierens. Wie sieht dafür Ihr Vorgehen aus und ist es eher lästige Pflicht oder macht es auch Spaß?

Ich arbeite sehr gern mit meiner Lektorin zusammen. Es ist wirklich ein Glücksfall, wenn man sich so gut versteht und über jeden Aspekt des Buches problemlos kommunizieren kann.


Warum haben Sie sich dafür entschieden Schriftstellerin zu werden? Und welchen ultimativen Tipp würden Sie allen zukünftigen Schriftstellern gerne mit auf den Weg geben?

Hmm, ich habe mich eigentlich nicht bewusst für das Schreiben entschieden, es kam zu mir – in Form der ersten Romanidee. Die Leidenschaft für das Schreiben ist seitdem geblieben. Ich glaube, dass bei allem was man tut, die Leidenschaft für eine Sache entscheidend ist (wenn man von den nötigen Grundvoraussetzungen ausgeht). Dann kann der Funke auch auf den Leser überspringen.


Und die letzte und wahrscheinlich für alle Leser wichtigste Frage: auf welche zukünftigen Projekte dürfen wir Leser uns freuen?

Auf einen neuen Walesroman. Der Erscheinungstermin ist für den Sommer 2015 geplant.
Herzlichen Dank für die interessanten Fragen!

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