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Miss January, Miss February … Der „Pin Up“ Serienmörder verstört das Los Angeles der 1960er Jahre mit Fotos seiner Opfer, die er drapiert wie auf den berühmten Ausklappbildern. Das LAPD steht unter enormem Druck der Öffentlichkeit, einen Täter zu liefern, doch es gibt keine Spur.

Auch die junge Lynn aus Beverly Hills sucht einen Verbrecher. Sie will wissen, was genau mit ihr geschah bei dem Überfall in jener Nacht, an die sie kaum eine Erinnerung hat und in der sie ihr Gehör verlor.

Lynn weiß es noch nicht, aber der Mörder hat auch sie im Visier … als Miss October.

Abgeschlossen in drei Bänden.

 

Miss October 

Originaltitel: Miss Octobre 1 – Playmate Serial Killer
Autor: Stephen Desberg
Übersetzer: Karen Bo
Illustration: Alain Queireix / Kolorierung: Kattrin
Verlag: Schreiber & Leser - Alles Gute!
Erschienen: Oktober 2013
ISBN: 978-3-943808-20-9
Seitenzahl: 48 Seiten
Altersgruppe: ab 16 Jahren (Empfehlung des Rezensenten)

Hier geht's zur Leseprobe


Die Grundidee der Handlung
Wie die Verlagsinhaltsangabe schon sagt: als Handlungsschauplatz dient Los Angeles. 1963 geht dort ein Serienmörder um, der es auf die monatlichen Playmates des Playboy abgesehen hat. Nach der Tat arrangiert der Killer seine Mordopfer im Stil der Coverfotos. Miss January und Miss February hat es schon erwischt, können die Männer vom LAPD wenigstens noch das nächste Covergirl retten? Im parallelen Handlungsstrang lernen wir eine schöne junge Kunst- und Schmuckdiebin kennen. Auch hier ermittelt das LAPD. Welche Verbindung besteht zwischen den beiden Ermittlungsverfahren, außer dass die zwei beauftragten Cops sich spinnefeind sind?

Die Plotvorlage von Stephen Desberg (Der Skorpion – ECC, I.R.$. – S&L) bietet recht gute, ausbaufähige Ansätze, aus denen sich für die zwei Folgebände noch einiges machen lässt. Hier im 1. Teil ist es zwar nicht immer einfach, den schnellen Szenencuts mit wechselnden Handlungs-/Zeitebenen und Perspektiven zu folgen, andererseits übt gerade das einen nicht zu leugnenden Reiz beim Lesen aus. Als echtes Problem stellte sich mehr die eindimensionale Charakterzeichnung heraus, denn für chauvinistisch agierende männliche Figuren, die mal eben eine schnelle Nummer schieben, wenn es gerade in den Kram passt oder man(n) damit an Informationen gelangt, kann ich, als Frau, absolut keine Sympathien aufbringen. Aber auch zur weiblichen Hauptfigur Lynn fand ich keinen Zugang. Ein schlüssiges Motiv, warum sie zur Seriendiebin wurde, bleibt der Band schuldig.


Beurteilung der Zeichnung / Textdarstellung
Mit der Einstiegsszene fühlt man sich sofort wie im Kinosessel. Astreines Kopfkino in bester Agenten-/Action-Thriller Manier zieht da an einem vorbei: Kunstdiebin Lynn im hautengen schwarzen Body schlängelt sich grazil zwischen den Laserstrahlen eines Museums hindurch, um sich die altägyptische Statue aus der gläsernen Vitrine zu schnappen. Doch die Cops sind bereits alarmiert und warten draußen vor der Tür … Der hier verwendete Farben-Mix aus Schwarz, Anthrazit und Nachtblau ist dabei hart wie Stahl.

Doch nicht nur der Anfang, im Grunde wirkt die gesamte Ausstattung des Albums einem James Bond Streifen entsprungen und das liegt nicht allein am schön authentisch wiedergegebenen Zeitrahmen der 1960er Jahre. Neben den ermittelnden Cops, die mit ihren undurchsichtigen Mienen mindestens genauso cool sind wie 007, tragen auch alle anderen männlichen Figuren Anzug und Krawatte, die Frauen eng taillierte oder tief dekolletierte Kleider, was ein distinguiertes bzw. unnahbares Ambiente schafft. Dazu kommen Nachtclubs, leichte Mädchen, schneller Sex, die Latino-Mafia, auf Hochglanz polierte Limousinen, Schusswaffen –  ja, daraus werden echte Männerträume gestrickt. Nicht zu vergessen die Mordopfer, die in ihrem eigenen Blut badend, vom Killer auf makaberste Weise genauso opulent hergerichtet wurden, wie die Playmates fürs Playboy-Cover. Was generell die Erotikdarstellungen betrifft, so sieht man viel, aber nicht alles. Aufreizend und sexy, aber nicht pornografisch.

Die Zeichenqualität selbst kann sich ebenso sehen lassen. Mit feiner Feder gezeichnet, wirkt alles sehr sauber, routiniert, vielleicht ein wenig zu glattpoliert und geschniegelt, ohne jeden Makel.
Ein wenig langweilig auch die Kolorierung, denn Kattrin wechselt nur zwischen zwei festen Farbschemen. Bei Dunkelheit kommt der eingangs schon erwähnte Stahl-Look zum Einsatz, im Hellen bzw. Freien verwendet sie warme, satte Erdtöne, eher dunkel-kräftig, nie zu leuchtend.

Mit einer klaren Panelanordnung zwischen weißen Stegen, mittlerem Textumfang, gut leserlicher Schrift in Großbuchstaben fällt der Comic auch in dieser Hinsicht nicht aus dem Rahmen.


Aufmachung des Comics
Das fest gebundene Comicalbum mit hochglänzenden Buchdeckeln verfügt über eine hochwertige Verarbeitungs- und Druckqualität, wie man es von Schreiber & Leser gewohnt ist. Besonders gut gefallen mir die Vor- und Nachsatzblätter mit (gezeichneten) Schwarz-Weiß-Fotos, die typische Szenen und Persönlichkeiten der Sechziger zeigen.
Am Cover mit der hübschen Lynn im Vordergrund und einem geschwärzten Unbekannten mit gezückter Pistole im Hintergrund lässt sich das Krimigenre auf den ersten Blick ableiten. Die klaren, flächigen Farbkontraste wirken sehr ansprechend.


Fazit
Die neue, dreiteilige Krimireihe um einen Playmate-Killer ist absolut filmreif! Wer auf die alten James Bond-Streifen aus den Sechzigern steht, sollte hier zugreifen. Inhaltlich steckt zwar alles noch stark in den Ansätzen fest, doch die sind schon mal vielversprechend. Als einzige, echte Schwäche empfand ich die eingleisige Charakterisierung mit chauvinistischer Prägung, wobei das männliche Zielpublikum da sowieso weniger Berührungsängste zeigen dürfte.


3 5 Sterne


Hinweise
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