Smaller Default Larger


Liebe Claudia, vielen Dank, dass du dir die Zeit für dieses Interview nimmst! Mittlerweile ist dein zweiter Roman mit Olivia als Hauptfigur erschienen und beide fesseln die Leser ungemein. Doch wie bist du überhaupt zum Schreiben gekommen?

Ich denke, die meiste Schuld daran haben Christine Nöstlinger, Enid Blyton und Stephen King, die mich in drei unterschiedlichen Entwicklungsphasen mit ihren Geschichten so sehr in den Bann gezogen haben, dass ich beschlossen habe, mein restliches Leben nichts anderes mehr tun zu wollen als Tag und Nacht in Geschichten leben. Später haben dann noch J.R.R Tolkien und Joanne K. Rowling dazu beigetragen, dass ich von dem Traum nicht gelassen habe. Es gibt nichts Faszinierenderes als tolle Geschichten!


Dein Roman „Hexendreimaldrei“ kann nur schwer einem Genre zugeordnet werden, vereinst du in diesem Buch doch so einiges: Liebe, Fantasy, Märchen … Wie würdest du deinen Roman selbst beschreiben?

Hexendreimaldrei ist ein Buch, das ziemlich genau mitten aus meinem Herz kommt, mit all den Vor- und Nachteilen, die das mit sich bringt. Da steckt meine Liebe zu chaotischen Heldinnen wie Bridget Jones oder Carrie Bradshaw drinnen, meine Sehnsucht nach Märchen, Phantastik und Ausbrechen aus der Realität, sowie, natürlich, ganz viel London und Shakespeare, die mich beide geprägt haben. Das alles in Herzblut und eine sehr reale Geschichte getunkt ergibt eine wilde Mischung.


Auch „Jagdzeit“, der zweite Band mit der sympathischen Protagonisten Olivia, widersetzt sich jedem Versuch, diesen einem Genre zuzuordnen. Scheinbar liebst du es, genreübergreifend zu schreiben? Oder kannst du dich lediglich selbst nicht entscheiden?

Ich könnte mich sehr gut entscheiden, ich hätte auch viel Lust, einen Krimi zu schreiben oder einen großen Fantasy Epos. Aber ich glaube nicht an Genres, ich finde, die Geschichte ist das, was zählt. Wer bestimmt denn, dass nur Liebesromane Chick Lit Heldinnen haben dürfen? Warum kann einer heutigen Großstadtfrau um die Dreißig nicht Fantasy zustoßen, warum darf sie nur Männersorgen haben und nicht Träume von Hexen und toten Dichtern? Viel Genreliteratur erschöpft sich in Klischees, da gefallen mir persönlich Geschichten besser, die neue Wege gehen. Murakami beispielsweise oder Zafón, wunderbare Beispiele für Literatur, die sich nicht nach Genres richtet, sondern nach dem Herz der Geschichte.


In „Jagdzeit“ spielen Runen eine nicht unwesentliche Rolle. Sehr atmosphärisch in Szene gesetzt, geht dem Leser dieser Teil der Geschichte unter die Haut. Wie bist du darauf gekommen? Glaubst du selbst an die Kraft der Runen?

Ich bin einerseits sehr unesoterisch, andererseits aber durchaus zu beeindrucken. Und die Runen haben so eine wunderbare Tradition mit so vielen Verwendungsmöglichkeiten abseits billiger Orakelei, dass ich zugebe, mich sehr in sie verliebt zu haben. Ich mag aber auch Dinge, die so alt sind, dass keiner mehr weiß, wie sie entstanden sind. Solche Dinge haben noch ein Geheimnis, das es sich zu ergründen lohnt.


In deiner Protagonistin Olivia steckt auch einiges von dir selbst. Da frage ich mich, was genau ihr zwei gemeinsam habt. So ist Olivias große Liebe London Town. Liebst du London ebenso sehr? Die detailreichen, emotionalen Beschreibungen in „Hexendreimaldrei“ lassen darauf schließen …

Ich vergöttere London. Ich bin überhaupt vernarrt in Großstädte. Keine Landschaft, kein Sonnenuntergang über dem Meer, keine antike Ruine oder mystische Moschee hat mich je so durch und durch gefangen genommen wie das Gefühl, das Leben am Piccadilly Circus um mich herum zu spüren. Ich liebe belebte Cafés, Theater, Kinos, Geschäfte. Meine Reiseziele wähle ich dementsprechend, und unter drei Besuchen im Jahr in London halte ich es nicht aus. Und selbst da, in wenigen Monaten, gibt es immer so viele Veränderungen, das ist großartig, überraschend und immer wieder Kraft spendend. Tatsächlich sind Teile der Londonbeschreibungen in Hexendreimaldrei aus meinem Reisetagebuch, also wirklich ganz direkt erlebt.


Überlässt du, wie Olivia, „jegliche Art der Zubereitung von Speisen“ den Experten? Oder kennst du dich im Gegensatz zu deiner Hauptfigur deutlich besser mit Küchengeräten aus und weißt mit diesen umzugehen?

Ich fürchte, es ist noch viel schlimmer als bei Olivia, falls das möglich ist. Ich finde gutes Essen toll, ich bin ein Genussmensch, aber selbst zubereiten kann ich im besten Fall einen Salat oder Nudeln mit Sauce. Leider.


Olivia muss sich in „Jagdzeit“ ihren Ängsten stellen – und das nicht nur einmal. Seien es das Unbehagen IN DER NATUR, die Angst vor allem, was Federn hat oder gar die Nacktheit. Teilst du einige Ängste mit Olivia oder fürchtest du dich vor ganz anderen Dingen?

Teils, teils. Die Geschichte mit der Nacktheit kommt schon von meinem eigenen Erleben. Über Jahre und heute immer noch ab und zu habe ich diese schrecklichen Träume, wo man plötzlich nackt oder in Unterwäsche irgendwo ist, im schlimmsten Fall in der Arbeit. Mein Schamgefühl ist schon extrem ausgeprägt. So sehr ich Saunen liebe, ohne Saunaröckchen geht nicht. Und finde ich auch nicht notwendig. Insofern: Ja, das kommt schon aus mir. Die Vögel, das ist eine Olivia-Sache, die aus ihrer Figur kommt, und die Natur, nun ja, wie gesagt, ich bin und bleibe ein Großstadtmensch, aber so wie sie stelle ich mich nicht an, wenn ich mal im Wald bin, da finde ich sie schon auch etwas idiotisch. ;-)


Olivia findet sich plötzlich mitten IN DER NATUR wieder. Nicht nur das Krabbelzeug macht sie nervös, auch ihre dürftige Ausstattung bringt sie in Schwierigkeiten und so kämpft sie sich stöckelbeschuht und ohne Orientierung durch den Wald. Was müsste in dein Survival-Pack, um zwei, drei Tage IN DER NATUR zu überstehen?

Ganz klar ein zusammenfaltbares Hotelzimmer mit Minibar, Fernseher, Dusche, WC, Handtuchwärmer und vor allem einer Tür mit Schloss. Ich sag es ganz ehrlich, für Abenteuerurlaub bin ich nicht geschaffen.


Es wird insgesamt drei Bücher geben, in denen Olivia ihre Abenteuer zu bestehen hat und vielleicht doch noch ihre große Liebe findet. Voraussichtlich im März 2011 erfahren deine Fans, wie es Olivia letztendlich ergehen wird. Darfst du uns schon ein wenig über den abschließenden Band verraten?

Es wird, so wie es derzeit aussieht und wenn meine Lektorin es nicht schreiend an die Wand wirft, das spektakuläre und verrückte große Finale, das Olivia sich verdient hat. Es gibt da einen großen Zusammenhang, der aufgeklärt wird und eine, denke ich doch, für alle überraschende Wende. Diesmal gibt es nur einen Handlungsstrang, der Olivia von Wien über England nach New York führt. Dabei begleiten sie alte Bekannte und neue Bekannte, von denen einer von immenser Bedeutung ist und hoffentlich die Herzen aller so erobern wird wie meines. Das Ende ist noch nicht geschrieben, aber ich freue mich schon diebisch darauf, dass es bald so weit ist.


Gibt es schon Pläne für die Zeit nach Olivia?

Viele, viele, aber Entscheidungen werden wohl erst im Herbst/Winter fallen, wenn Olivias Geschichte fertig ist und ich mit den neuen Projekten so weit bin, dass man konkreter denken kann. Es wird aber sicher etwas komplett Anderes werden, das steht fest, wenn auch, womöglich, mit einem vertrauten Protagonisten.


Nun habe ich noch ein paar Fragen zum Schreiben im Allgemeinen:
Hältst du dich beim Schreiben an den Shakespeare-Pakt, der in „Hexendreimaldrei“ erwähnt wird? Schreibst du diszipliniert, legst deine Seele bloß und hast deine eigene Dulcinea*, schreibst also nach dem Leitsatz „Regelmäßigkeit“, „Echtheit“, „Liebe“?

Ich bin davon überzeugt, dass es anders gar nicht geht. Ich muss Disziplin haben, sonst komme ich nie weiter, die Ablenkungen in Form neuer Ideen sind immens. Ich glaube an die Echtheit. Ich spüre es beim Lesen, ob ein Autor mit dem Herz dabei ist oder nicht. Es ist wie in der Liebe. Man weiß es einfach, und wenn es zutrifft, ist es hinreißend. Und Sehnsucht gehört unbedingt dazu zum schreiben. Ich befürchte, wenn ich je rundum glücklich wäre und jemanden hätte, der mir Gourmetessen kocht und mich anbetet, dann würde ich kugelrund und zufrieden sein und keinen Finger mehr rühren. ;-)

(*Don Quichotte)


Hast du bestimmte Schreibrituale, beispielsweise eine feste Schreibzeit oder eine festgelegte Seitenzahl?

Leider nicht. Ich bewundere Kollegen, die das haben. Am ehesten habe ich das, wenn ich in London oder Triest auf Schreiburlaub bin, da habe ich meine Plätze und Zeiten. Daheim kommt mir der Alltag oft dazwischen. Aber ich bemühe mich, zwischen zwei und fünf Seiten am Tag zu schaffen, damit immer etwas weiter geht.


Olivia hat in „Jagdzeit“ das Problem der fehlenden Inspiration kombiniert mit der stetig näher rückenden Deadline. Ein Alptraum eines jeden Schriftstellers! Ich hoffe jedoch, dass du hier nicht aus Erfahrung schreibst – oder hast du selbst schon unter diesem unermesslichen Druck zu leiden gehabt?

Bisher gar nicht. Ich hatte immer reichlich Zeit und habe meist zu früh abgegeben. Diesmal, beim dritten Buch, ist es etwas knapp, ich habe im Winter Zeit verloren, weil der Roman es verlangt, chronologisch dran zu schreiben und ich auf meine NY Reise warten musste und jetzt im Frühjahr, weil ich eine Kurzgeschichte für die Weihnachtsanthologie (Anm: Schneegeflüster, erscheint Ende Oktober im Diana Verlag) schreibe musste und beruflich sehr eingespannt war. Aber noch geht sich alles aus.


Liebe Claudia, ich bedanke mich ganz herzlich für das Interview und wünsche dir auch weiterhin viele kreative Ideen!

Ich bedanke mich! :-)

  • Keine Kommentare gefunden

Partnerprogramm

amazon

Mit einem Einkauf bei amazon über diesen Banner unterstützt du unsere Arbeit an der Leser-Welt. Vielen Dank dafür!

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Für deinen Blog:

leser-welt.de wird überprüft von der Initiative-S