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Atlanta befindet sich im Ausnahmezustand: Ein Killer terrorisiert die Stadt, und seine Opfer sind ausschließlich Cops. Als niemand den Blutrausch des Attentäters zu stoppen vermag, kocht die Stimmung unter den Polizisten über. Plötzlich ist ihnen jedes Mittel recht, um den Täter zur Strecke zu bringen. Und Kate Murphy, die ihren ersten Dienst beim Police Department antritt, fürchtet zurecht, dass dieser zugleich ihr letzter sein könnte …

 

Cop Town 

Originaltitel: Cop Town
Autor: Karin Slaughter
Übersetzer: Klaus Berr
Verlag: Blanvalet
Erschienen: 11/2015
ISBN: 978-3-7645-0551-6
Seitenzahl: 541 Seiten

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Die Grundidee der Handlung
Kate ist absoluter Polizeineuling und die Arbeit auf der Straße und auf dem Revier gleicht eher einem Spießrutenlauf als wirklicher Arbeit. Die männlichen Kollegen akzeptieren eine Frau als Polizistin nicht und lassen das die Damen auch täglich deutlich spüren. Es herrscht ein rauer und anzüglicher Ton und oftmals gehen auch die Hände auf Wanderschaft. Alles irgendwie ertragbar, denkt sich Kate, solange sie nur herausfinden kann, wer der Shooter ist, der ganz Atlanta seit einigen Monaten terrorisiert und die Polizisten kaltblütig abknallt. Ihre Ermittlungsarbeit mit ihrer Kollegin Maggie bringt nach und nach eine schreckliche Wahrheit zutage, die keiner der männlichen Kollegen hören geschweige denn glauben will. Da wird eher geglaubt, dass der eigene Neffe schwul und der Mörder ist, als die Tatsache akzeptiert, dass die Fakten einfach nicht logisch sind.  

Direkt, etwas kantig und mit einem Hauch Poesie hat Karin Slaughter diesen Thriller geschrieben.


Stil und Sprache
Aus der personalen Erzählperspektive von Kate als auch Maggie wird der Leser in die Welt der siebziger Jahre hinein katapultiert, wo Frauen ohne die Erlaubnis eines Mannes nichts tun können. Nicht mal ein Bankkonto zu eröffnen ist ihnen ohne männlichen Bürgen erlaubt. Entsprechend explosiv ist die Stimmung in Maggies Elternhaus, trägt ihr Onkel Terry doch seine Aggressivität vom Job ungefiltert nach Hause. Und die Tatsache, dass seine Nichte ebenfalls bei der Polizei ist, schmeckt ihm gar nicht.

Karin Slaughter bringt in Cop Town – Stadt der Angst Rassenhass, die Furcht der Menschen vor allem Neuen und Ungewohnten deutlich zur Sprache. In einer Zeit, als es noch kein Internet, keine Smartphones oder Computer gab, als Frauen noch nicht so selbstbestimmend sein durften wie heute und Männer sich für den Nabel der Welt halten, platziert die Autorin eine Handlung, die sich so ungewohnt wie faszinierend liest. Reich trifft auf Mittelstand, Vorurteile werden beständig gepflegt und Kriegstraumata unterdrückt. Das Unfassbare darf nicht sein, wer anders ist, ist kein Mensch und hat es demzufolge auch nicht verdient, in Atlanta geschweige denn überhaupt in den USA zu leben.

Die Autorin versteht es wunderbar, mit einem direkten und leicht eckigen Schreibstil die Dinge zu schildern, ohne dass dabei die Harmonie im Stil verloren geht. Anders ausgedrückt: es liest sich in keinem Satz unrund. Im Gegensatz zu ihren anderen Thrillern (wo das kantige nicht vorkommt), ist das hier eine schöne Abwechslung, ohne dass die Autorin sich dabei selbst verliert.

Da macht es auch nichts, dass der Leser schon relativ früh gesagt bekommt, wer der Shooter ist, denn dieser erscheint unter einem anderen Namen, als am Ende aufgeklärt wird. Die Suche nach dem Shooter als Leser mit zu verfolgen, ist bis zuletzt hochspannend und abwechslungsreich. Und die kleinen Ausflüge ins Niederländische in so mancher Szene bzw. Dialog, die sind richtig schön und erheiternd, selbst wenn es der Inhalt dort in dem Moment nicht ist.


Figuren
In den 70ern war die Welt Atlantas eine ganz andere als woanders. Was heute für Frauen selbstverständlich ist, war damals ein undenkbarer Wunschtraum. Wer gegen den Willen des Vaters, Onkels oder sonst einem männlichen Bürgen handelt, wird gnadenlos von der Familie allein gelassen; ist auf sich selbst gestellt. Karin Slaughter bringt eine Seite der Gesellschaft hervor, die unfassbar unfair, machomäßig und arrogant erscheint. Sexistische Kollegen, sexuelle Übergriffe und ein Kampf der Geschlechter geben diesem Buch einen rauen Unterton und die Realität, wie sie damals als vollkommen selbstverständlich angesehen wurde.

Kate ist in einer der sicheren Gegenden von Atlanta aufgewachsen, und stößt damit auf dem Polizeirevier auf so manches Hindernis. Doch sie besitzt Kampfgeist, hat durch ihre Familie und Erziehung Wissen im Kopf, das in Kombination mit Maggies Kenntnissen und Erfahrung hilfreich und äußerst produktiv ist und es den beiden Frauen ermöglicht, voneinander zu profitieren. Zwar ist Maggie alles andere als begeistert, als sie von ihrem Bruder (ebenfalls ein Polizist) den Neuling während einer Schicht aufs Auge gedrückt bekommt, doch nach und nach finden Kate und Maggie einen Draht zueinander. Was die eine nicht weiß, hat die andere im Kopf, was die eine übersieht, fällt der anderen auf.

Im Gegensatz zu Kate ist Maggie in einer Familie aufgewachsen, wo es alles andere als gewaltfrei und ruhig zu ging und sie auch heute noch von ihrem Onkel als Punchingball benutzt wird. Sagt oder tut sie etwas, das ihrem Onkel nicht genehm ist, haut er zu. Am liebsten mit dem Handrücken direkt ins Gesicht oder es finden sich auch schon mal seine Hände an ihrer Kehle. Doch statt klein beizugeben, findet Maggie ihre eigenen Wege, um an die gewünschten Informationen zu kommen. Sie hat es satt, rund um die Uhr gegen die männlichen Vorurteile und die Angst der Kollegen vor allem was neu und anders ist, anzukämpfen. Da sie von daheim keinerlei Unterstützung erhält (ihre Mutter macht sie für alles Negative verantwortlich und würde sie am liebsten am Herd anbinden), ist es für sie Alltag, die ihr wichtigen Dinge nicht daheim stattfinden zu lassen. Dank ihrer Quellen kann sie vieles umgehen und dabei zeigt sie dem Leser ein Gesicht, das auf den ersten Blick gar nicht so raffiniert erscheint. Doch auf den zweiten kommt Erstaunliches zutage.


Aufmachung des Buches
Diese Klappenbroschur ist farblich eher dezent gehalten. Das einzig Auffällige: das Frauengesicht mit den Sommersprossen und den unglaublich blauen Augen. Schwarz und helle Töne sind hier gut kombiniert und der matt glänzende Autorenname – wenn man das Buch leicht schräg hält – gibt der Aufmachung sogar etwas Pfiff. Auf der linken Klappe steht eine etwas ausführlichere Angabe zum Thrillerinhalt, auf der Rechten ist ein Autorenbild und eine Kurzvita zu lesen. Die Buchrückseite zeigt, vor schwarzem Hintergrund, eine kurze Inhaltsangabe. Alles in allem nicht schlecht.


Fazit
Ein gut gelungener Thriller, der sich von der ersten bis zur letzten Zeile spannend und gut durchdacht dem Leser darstellt. Die psychologische Komponente trägt deutlich Karin Slaughters Handschrift. Dem Lesevergnügen steht also nichts im Wege. Absolut empfehlenswert.


4 Sterne


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