| Buslau, Oliver (2008) |
| Geschrieben von: Jana Trautmann |
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Für mich stand schon immer fest, dass ich einmal mit Schreiben mein Geld verdienen würde. Ich bin erblich vorbelastet: Mein Vater war Journalist und Buchautor. Als ich klein war, war er Redakteur bei einer Tageszeitung, und wenn er Sonntagsdienst hatte, besuchten meine Mutter und ich ihn an seinem Arbeitsplatz, wo er dann (damals noch ohne Computer und mit Klebeumbruch) die Montagszeitung „machte“. Die Atmosphäre einer Zeitungsredaktion ist eine meiner frühesten Kindheitserinnerungen. Später brachte mein Vater mir auch journalistisches Grundwissen und Schreibtechniken bei. Ich studierte dann Musikwissenschaft und Germanistik mit dem Ziel, Musikjournalist zu werden. Diesen Beruf übe ich immer noch aus. Ende der 90er gelang es mir, ein Ziel zu erreichen, von dem ich lange träumte: Ich schrieb meinen ersten Krimi, der dann bei Emons erschien. Er heißt „Die Tote vom Johannisberg“ und ist immer noch auf dem Markt.
Was das Krimischreiben betrifft, ja: Ich schreibe immer sofort nach dem Aufstehen etwa anderthalb Stunden, wobei ich auch darauf abziele, eine bestimmte Seitenzahl zu erreichen. Das funktioniert sehr gut, weil ich ein so genannter „Planer“ bin. Ich fange erst an zu schreiben, wenn ich alles sehr genau entworfen habe. Dass sich dann noch mal viel ändern kann, steht auf einem anderen Blatt. Ich brauche aber die Sicherheit, dass ich einen funktionierenden Plan habe.
Es ist der sechste Fall für meinen Seriendetektiv Remigius Rott. Er ist ein „Privatschnüffler“, der in Wuppertal lebt und Fälle im Bergischen Land löst. Er wird ins Neandertal gelockt, wo er Zeuge eines Mordes wird. Kurz darauf steht er selbst unter Verdacht. Natürlich geht’s dann auch um den legendären Urmenschen. Mehr möchte ich aber noch nicht verraten.
Mich reizte das Neandertal als Schauplatz. Außerdem versuche ich, in meinen Rott-Romanen immer neue Ecken des Bergischen Landes vorzustellen, das ja eine recht vielseitige Landschaft ist. Ich gehe oft von solchen Schauplätzen aus.
Das kann ich nicht sagen, denn oft komme ich irgendwo zufällig vorbei, dann setzt sich eine Idee fest, die ich wieder vergesse, an die ich mich dann aber später wieder erinnere. Aber wenn ich vorhabe, einen bestimmten Roman zu schreiben, plane ich mindestens drei Monate für die Recherche und den Story-Aufbau ein. Ich recherchiere ja nicht nur Schauplätze, sondern entwickle auch die Figuren und den ganzen dramaturgischen Aufbau.
Weil ich das Genre selbst gerne lese. Ich glaube, das ist das Wichtigste, dass man das schreibt, was man selbst gerne lesen würde. Außerdem ist der Krimi für Schriftsteller sehr reizvoll, weil darin so viele schriftstellerische Techniken unter Beweis gestellt werden müssen. Er ist sozusagen eine Gattung, die große Virtuosität verlangt. Ich vergleiche den Krimi immer gerne mit der klassischen Musikform der Fuge.
Durchaus. Aber es ist noch nichts Ernsthaftes dabei rausgekommen.
Ich habe den Verlag nicht gewechselt. Ich schreibe weiterhin für Emons. Allerdings sind die Projekte, die Goldmann gekauft hat, bei diesem größeren Verlag einfach besser aufgehoben. Es sind keine Regionalkrimis – worauf Emons ja spezialisiert ist. Die Bücher, die ich dort veröffentlicht habe, sind ausgewiesene „Bergische Krimis“ oder „Rheintal Krimis“. Nicht jeder Verlag kann alles gleichgut vermarkten.
Ich habe mich bei der Agentur gar nicht mit einem bestimmten Projekt beworben, sondern ich bin mit Petra Hermanns von scripts for sale bei einer Veranstaltung ins Gespräch gekommen und hatte ein paar vage Ideen. Sie hat mich dann dazu angeregt, sie zu Exposés auszuarbeiten. Daraus wurden dann verschiedene Projekte – unter anderem die, die jetzt Goldmann gekauft hat. Ich bin ein Autor, der sehr viel im Gespräch mit seinen Lektoren oder anderen Leuten entwickelt. Mir macht es auch überhaupt nichts aus, eine Geschichte zu erzählen, bevor ich sie geschrieben habe – natürlich nur vertrauenswürdigen Leuten. Ich weiß, dass viele andere Autoren das nicht können und erst mal für sich an dem Text herumbasteln. Die müssen dann erst ein Exposé schreiben und zu einer Agentur gehen.
Auf jeden Fall. Eine Agentur kann das Potenzial eines Projekts viel besser bewerten als man selbst. Und sie weiß auch, wo das jeweilige Projekt am besten aufgehoben ist. Und schließlich geht es ja auch noch um finanzielle Verhandlungen und darum, dass man jemanden braucht, der einem einen Verlagsvertrag erklärt.
Als ich 1999 meinen ersten Krimi geschrieben und dabei eine Menge auch selbst über Kreatives Schreiben gelernt hatte, wurde mir klar, dass es in Deutschland viele Bücher über Kreatives Schreiben gibt, aber keine Zeitschrift. Ich suchte mir Partner und gründete sie – letztlich wirklich deswegen, weil ich so ein Heft selbst lesen wollte. Ich bin als Chefredakteur ja auch der erste Leser der Beiträge. Und ich kann mich nach wie vor gut in meine Leserinnen und Leser hineinversetzen.
Weil es immer wieder herrlich ist, Leuten dabei zuzusehen, wie sie einen Schritt machen und plötzlich nicht mehr auf dem Schlauch stehen. Anders kann ich es nicht beschreiben. Mir ging es ja eines Tages genauso. Im Jahre 2000, übrigens zufällig kurz vor dem Erscheinen der ersten TextArt-Ausgabe, besuchte ich einen Kurs bei James N. Frey, dem Autor des Buches „Wie man einen verdammt guten Roman schreibt“. Ich hatte meinen ersten Krimi schon veröffentlicht, und kaum war ich aus München, wo der Kurs stattfand, zurück, fing ich den zweiten an. Ich bin in diesem Kurs von jemandem, der „mal“ einen Krimi schreiben wollte, zum Autor geworden, der regelmäßig Romane schreibt und auch Projekte planen kann. Und dieses Erlebnis will ich auch anderen vermitteln.
Das war eine Einladung vom Landschaftsverband Rheinland, der eine Ausstellung mit dem Titel „Nichts zu sehen“ veranstaltet hat. Es gab da auch andere Dinge im Dunkeln – zum Beispiel eine Weinprobe. Ich hatte aber eine kleine Diode am Buch stecken. Die Atmosphäre war wie an einem nächtlichen Lagerfeuer …
Es gibt für mich in dem Sinne wie für andere Leute keine Trennung zwischen Freizeit und Arbeit. Natürlich gibt es Sachen, die ich mache, mit denen ich aber kein Geld verdiene. Ich spiele zum Beispiel in einem Laien-Kammerorchester Bratsche. Anfang März haben wir die „Johannespassion“ von Bach aufgeführt. Aber die Hingabe, mit der ich das tue, ist genauso stark wie beim Schreiben. Mir fehlt als Musiker eben nur die professionelle Ausbildung. Das Wort Hobby mag ich gar nicht.
Herzlichen Dank für das Interesse!
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