Smaller Default Larger

New York wird von einer beispiellosen Anschlagserie in Atem gehalten, vor der sich niemand sicher fühlen kann. Denn der Attentäter tötet mit einer Waffe, die in unserer hochtechnisierten Welt so unsichtbar wie allgegenwärtig ist: Elektrizität.

Angesichts immer neuer Opfer machen sich der gelähmte Ermittler Lincoln Rhyme und seine Assistentin Amelia Sachs auf die atemlose Jagd nach einem buchstäblich unfassbaren Täter, der keinerlei Spuren hinterlässt und kaum mehr als ein Phantom zu sein scheint. Doch Lincoln Rhyme weiß, dass ihr Gegner allzu real ist – ein zu allem bereiter Killer, dem nichts so viel Freude bereitet wie das grausame Spiel mit der Angst …

 

opferlaemmer 

Originaltitel: The Burning Wire
Autor: Jeffery Deaver
Übersetzer: Thomas Haufschild
Verlag: blanvalet
Erschienen: 03/2011
ISBN: 978-3764503352
Seitenzahl: 576 Seiten

Hier geht's zur Leseprobe


Die Grundidee der Handlung
Die Handlung des nunmehr neunten Falls für das Ermittlerduo Lincoln Rhyme und Amelia Sachs beginnt mit einem Knall – und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Ein Anschlag auf die Elektrizitätsversorgung von New York führt zu einer Explosion, bei der ein Mann auf grausame Weise ums Leben kommt. Als der Täter danach in immer kürzeren Abständen bizarre Ultimaten stellt, übernimmt Rhyme die Leitung des Falles. Doch lange tappen die Ermittler im Dunkeln, bleiben die wahren Motive des Täters diffus, und auch als sie ihn identifiziert haben, ist der Fall noch lange nicht vorbei. Zu alledem kommt noch hinzu, dass der „Uhrmacher“ (Band 7: „Der gehetzte Uhrmacher“) immer noch nicht gefasst ist und Lincoln Rhyme immer wieder von seinem aktuellen Fall abgelenkt wird.

Jeffery Deaver hat sich für seine neueste Story wieder einen trickreichen Plot mit vielen unvorhersehbaren Wendungen ausgedacht, leider verzettelt er sich dieses Mal ein bisschen zu sehr in seinen technischen Finessen und so kommt es vor allem in den ersten zwei Dritteln des Buches doch zu einigen Längen.


Stil und Sprache
Wie schon erwähnt ist Jeffery Deaver ein Fan von technisch ausgefeilten Plots mit langen Erklärungen, Unmengen von detaillierten Beschreibungen und umständlichen Exkursen in unbekannte Fachgebiete. So muss man sich in diesem Teil als Leser ausführlich mit Elektrizität beschäftigen, muss Voltstärken vergleichen lernen, sich Schutzmaßnahmen gegen Stromschläge erläutern lassen und dergleichen. Diese eingebauten „Bremsen“ hemmen das Tempo der Handlung ungemein, gerade am Anfang muss man schon einiges über sich ergehen lassen. Erst im letzten Drittel gewinnt die Geschichte an Tempo, es geht dann Schlag auf Schlag und am Ende sitzt man staunend über dem Buch und fragt sich angesichts der überraschenden Auflösung des Falles, warum man die entscheidenden Hinweise wieder nicht verstanden hat. Obwohl, wenn man ehrlich ist, ganz auf Augenhöhe mit seinen Ermittlern lässt uns Jeffery Deaver nicht kommen, am Ende ist da immer eine Kleinigkeit, die man nicht wissen konnte und die den entscheidenden Hinweis gibt.

Auch atmosphärisch bleibt dieser Roman etwas eingeschränkt. Wie Lincoln Rhyme in seinem Rollstuhl seine Wohnung nie verlässt, so erfährt man auch als Leser nur Bruchstücke des lebendigen New York, hält sich nur an Tatorten auf. Das können dunkle Keller, Umspannanlagen, verlassene Abrisshäuser oder ähnlich aufregende Orte sein, große Sprünge macht Jeffery Deaver da nicht. Lediglich die Erzählperspektiven wechselt er regelmäßig. Zwar liegt das Hauptaugenmerk auf Rhyme und seiner Partnerin Sachs, aber auch andere Ermittler tragen ihren Teil zum Geschehen bei und ein paar Opfer dürfen ihre - kurzen - Geschichten erzählen. So bleibt die Handlung auch an den zäheren Stellen einigermaßen lebendig und wird immer mal wieder aufgefrischt. Allerdings frage ich mich schon seit einigen Bänden vergeblich, ob irgendein Leser tatsächlich die gebetsmühlenartig wiederholten, seitenlangen Texte an den Ermittlungstafeln in Rhymes Wohnung alle liest …


Figuren
Auch hier bekommt man selbst als hartgesottener Deaver-Fan so langsam ein zwiespältiges Gefühl: Einerseits kennt man Rhyme und Sachs sowie die meisten ihrer Kollegen schon eine Ewigkeit, andererseits weiß man nicht einmal die einfachsten Dinge über sie. Nicht, was sie für Kleidung tragen, welche Gefühle sie haben, was sie außer dem gerade aktuellen Fall beschäftigt. Das ist schade, denn so verkommen sie zu unpersönlichen „Ermittlungsmaschinen“, die (besonders Rhyme) keinen Blick mehr für die Sorgen und Nöte ihrer Mitmenschen haben. Dabei ist gerade Lincoln Rhyme ja ein besonderer Mensch: Vom Hals an abwärts gelähmt, muss er jeden Tag aufs Neue damit rechnen, dass sich sein Gesundheitszustand verschlechtert und er zum Beispiel die mühsam erarbeitete Fähigkeit, seinen rechten Zeigefinger zu bewegen, wieder verliert. Wie er sein Leben meistert, das ist schon ganz außergewöhnlich, dennoch ist er anderen gegenüber fast noch härter als zu sich selbst.

Amelia Sachs wird ebenfalls nur sehr reduziert dargestellt, auch wenn sie seit dem ersten Band durchaus eine – fachliche – Entwicklung durchgemacht hat, so erstreckt sich das leider nicht auf ihre Persönlichkeit. Sie ist und bleibt Rhymes Assistentin, die nur selten eigene Entscheidungen trifft, wirklich schade, denn sie böte echtes Potential.

Etwas mehr Raum bekommt in diesem Band Ron Pulaski, der zwar nun schon seit einigen Jahren dem Team angehört, aber von Rhyme immer noch als „Grünschnabel“ bezeichnet und auch so behandelt wird. Er bekommt zum Glück eine eigene Geschichte am Rande, die ihn menschlicher und greifbarer für den Leser werden lässt. Fred Dellray hingegen ist schon lange dabei und als Ermittler auf der Straße erfolgreich. Seine Gedanken und Befürchtungen nehmen viel Raum ein und geben diesem Thriller etwas von der Würze, die die anderen Charaktere vermissen lassen.


Aufmachung des Buches
Das gebundene Buch zeigt auf dem Schutzumschlag eine geborstene Glühbirne vor einem hellen Hintergrund, sehr passend zum Thema „Elektrizität“. Innen gibt es insgesamt 87 kurze Kapitel, die in drei große und einen sehr kurzen vierten Teil zusammengefasst sind. Ein Lesebändchen vervollständigt die ansprechende Aufmachung.


Fazit
Sicher nicht der stärkste Band der Reihe, aber ein solider Thriller mit einem spannenden Thema und geschickter Fallkonstruktion. Wer gut unterhalten werden will, ohne allzu sehr in die Tiefe zu gehen, kann mit „Opferlämmer“ gut ein paar Stunden abtauchen.


3 5 Sterne


Hinweise

Dieses Buch kaufen bei: amazon.dealt

Backlist:
Band 4: Das Gesicht des Drachen
Band 5: Der faule Henker
Band 6: Das Teufelsspiel
Band 7: Der gehetzte Uhrmacher
Band 8: Der Täuscher

  • Keine Kommentare gefunden

Partnerprogramm

amazon

Mit einem Einkauf bei amazon über diesen Banner unterstützt du unsere Arbeit an der Leser-Welt. Vielen Dank dafür!

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Newsletter

Für deinen Blog:

leser-welt.de wird überprüft von der Initiative-S