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Die stolze U.N.S.S. Neil Alden Armstrong ist das erste Schiff, das die Erde zur Kolonisierung eines entlegenen Planeten auf den Weg schickt. An Bord ruhen 9600 Männer und Frauen im tiefen Schlaf in ihren Kryokammern, um die Reisedauer von 29 Jahren zu überstehen, während ein 400 Mann starkes Team über sie wacht.

Doch bald erschüttert eine Explosion an Bord die tägliche Reiseroutine: die lebenserhaltenden Systeme sind beschädigt worden! Um das Leben der kryogenisierten Kolonisten zu bewahren, sieht sich das Team gezwungen, die Siedler unter Missachtung der Sicherheitsvorschriften wieder aufzuwecken.

Und nach dem Aufwecken haben sie Hunger … großen Hunger … Hunger auf Menschenfleisch!

 

Cryozone 

Originaltitel: CRYOZONE: 1. SUEURS FROIDES / 2. SYNDROME Z
Autor: Thierry Cailleteau
Übersetzer: Tobias Haßdenteufel
Illustration: Denis Bajram
Verlag: Finix Comics
Erschienen: 06/2011
ISBN: 978-3-941236-44-8
Seitenzahl: 112 Seiten
Altersgruppe: ab 16 Jahre (Empfehlung des Rezensenten)

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Die Grundidee der Handlung
Seit 10 Jahren ist die U.N.S.S. Neil Alden Armstrong nun unterwegs zum Planeten Sulus und die 400 Mann starke Besatzung, welche die Funktionen des Schiffes überwacht, steht kurz vor der Ablösung, als es zu einer Reihe von Unglücken kommt: Begonnen bei einer durch eine Geiselnahme verursachten schweren Explosion fallen die Kühlsysteme aus, den 9600 Kolonialisten im Kryoschlaf droht der Tod. Sie müssen erheblich schneller aufgeweckt werden, als das Verfahren vorsieht. Doch kommen sie nicht als Menschen wieder zu sich, sondern als hungrige Zombies, die über die aktive Besatzung herfallen. Den Überlebenden gelingt es, sich zu verschanzen … doch für wie lange?

Und auch der Vertreter von Cryotek spielt ein undurchsichtiges Spiel. Was ist sein Ziel?

Thierry Cailleteau und Denis Bajram haben mit Cryozone dem anhaltenden Zombie-Hype einen neuen Schauplatz mit noch nicht ausgetretenen Pfaden gegeben – Zombies im Weltall, eine coole, aber auch düstere und blutige Mischung. Für Fans der wandelnden Toten und Sci-Fi-Horror ein Muss!


Beurteilung der Zeichnung / Textdarstellung
Die zeichnerischen Arbeiten stammen von dem Newcomer Denis Bajram, dessen Stil – recht genau, aber in der Ausführung nicht jedermanns Geschmacksache – mich an Christophe Bec erinnert, der ebenfalls bevorzugt Science-Fiction-Comics erstellt. 

In Portraits – besonders zu Beginn der Story, in dem hell erleuchteten Hangar, in dem der Jahreswechsel gefeiert wird – hat der Zeichner zunächst sehr fein gearbeitet, im späteren Verlauf lässt der Feinschliff etwas nach. Die Gesichtszüge spiegeln die Emotionen eindeutig wieder, auf individuelle Merkmale in den Gesichtern geht er zunächst präzise, später etwas verhaltener ein. Die Genauigkeit nimmt weiter ab, wenn der Abstand zur Person zunimmt, wenn beispielsweise der ganze Körper gezeigt wird. Distanziert man sich noch weiter von den Figuren, lässt die Fülle an Einzelheiten naturgemäß weiter nach.

Die einzelnen Charaktere sind Bajram gelungen. Seine Arroganz und Verschlagenheit merkt man dem Cryotek-Vertreter Zdic schon beim ersten Aufeinandertreffen an, natürlich enttäuscht er im weiteren Verlauf nicht, doch hält er noch viele böse Überraschungen bereit. Kantig und rau, aber an sich nicht unsympathisch erscheint Slobodan Kopp zu sein. Erst nach und nach kommt man hinter seine Geschichte, und auch er weiß den Leser noch zu überraschen.

Statisten, die nahe stehen und sich dem Leser zuwenden, sind noch recht gut und vor allem individuell gestaltet, bei denjenigen, die sich abgewandt haben, sind es dann eher farbig gefüllte Hüllen. Dies tut der Geschichte jedoch keinen Abbruch und hält die Konzentration auf den hierfür wichtigen Charakteren. Im Ausgleich dazu sind Übersichtsbilder wie auf Seite 34, auf dem sich die Zombies auf etlichen Etagen tummeln, umso spannender anzuschauen.

Mit der typischen Mischung aus Stumpfsinnigkeit und Grausamkeit treten die wandelnden Toten auf. Ihr Hunger auf Fleisch und der niedere Instinkt zu töten sind alles, was von dem Charakter der Wirte übrig geblieben ist. Da der toxische Stoff in ihren Körpern die Verwesung beschleunigt, sehen sie nach Stunden schon aus wie mehrere Wochen alte Leichen – schaurig-schön, genau richtig für eine düstere Horrorstory.

Es gibt kaum Bilder ohne entsprechend ausgestaltete Hintergründe, hier hat sich der Zeichner viel Mühe gemacht und die Figuren nahezu immer in die passende Umgebung eingebettet. Und diese ist dementsprechend aufwendig dargestellt, ein weiterer Aspekt, der mir die Ähnlichkeit des Stils zu dem von Christophe Bec vor Augen führte: Auch bei ihm ist es so, dass die Figuren gut bis sehr gut zu Papier gebraucht wurden, doch liegt Becs Talent hauptsächlich in dem Aufbau kleingliedrigster Maschinen, Fahrzeuge und technisch-futuristischer Anlagen. So auch bei Bajram, ob nun Außenansichten des Raumschiffes oder Innenansichten der Privaträume, Krankenstationen, Kryokammern oder anderer technischer Bereiche, überall sind die Räumlichkeiten und Anlagen sehr genau und teilweise bis in die feinsten Details hinein ausgearbeitet.

Bis auf wenige Ausnahmen ist der Druck präzise und kantengenau, nur auf wenigen Seiten wirkt er beim direkten Hinsehen ungenauer und wie mit einem leichten Weichzeichnungseffekt versehen. So beispielsweise direkt auf Seite 4 – da sich hier das Raumschiff bis auf die nächste Seite erstreckt, fällt dieser Effekt besonders ins Auge. Auch auf den Seiten 8, 11 und 39 traf ich auf diesen unscharf wirkenden Druck. Der Comic ist auch auf diesen Seiten weiterhin gut lesbar, zumal nur die Grafiken, nicht aber die Schrift betroffen sind, steht aber in Kontrast zu dem tadellosen Druck der übrigen Seiten.

Die Panels sind überwiegend durch klassische Stege – weiß oder schwarz, je nach Atmosphäre – voneinander abgegrenzt, aber auch Überlagerungen von Bildern begegnet man häufig. Hierdurch ist die Bildanordnung abwechslungsreich und bietet gleichzeitig – wie auf den Seiten 4/5 oder 64/65 – auch großen, sich über zwei Seiten erstreckenden Illustrationen reichlich Platz zur Entfaltung. Die Schriftform ist comictypisch in Großschrift, Betonungen in Dialogen werden fett gedruckt, allerdings sind die stellenweise etwas untypisch gesetzt und tauchen zudem sehr häufig auf.

Im Anschluss an die Story wird der Comicband mit einem 16-seitigen Making-of ergänzt, der von der Zusammenarbeit Cailleteaus und Bajrams erzählt. Vorabskizzen der Figuren, des Raumschiffs und der Zombies, Abdrucke der Storyboards, Entwürfe der Titelbilder und einige Ex-Libris-Zeichnungen runden das Special ab.


Aufmachung des Comics
Die Aufmachung dieser zunächst auf 1.500 Exemplare begrenzten Erstauflage ist Finix gelungen. Im typischen Format der Edition Solitaire, ist der Comicband in festkartoniertem Umschlag gebunden. Auf der Vorderseite sind zwei Charaktere zu sehen, Kopp posiert entschlossen mit einer Kettensäge, während die Begleitung an seiner Seite, Doktor Caron, angstvoll mit einer Taschenlampe ins Dunkel leuchtet. Unterlegt ist dieses mit Spotlack veredelte und eine düstere Atmosphäre heraufbeschwörende Bild mit dem neongrünen Titel, darüber hinaus ist das Cover mattschwarz. Insgesamt eine sowohl bedrohliche wie edel anmutende Aufmachung. Die Rückseite teilen sich neben der Inhaltsangabe mehrere technische Zeichnungen der U.N.S.S. Neil Alden Armstrong sowie erneut der in großen Lettern prangende Titel. Ähnliche technische Zeichnungen des Schiffes gibt es auf den Vorsatzpapieren vorne und hinten, bei denen das Raumgefährt vollständig und in Ausschnitten gezeigt und seine Sektoren entsprechend erläutert werden.

Sowohl die Verarbeitung als auch die Materialwahl des Comicbandes sind – wie von Finix nicht anders gewohnt – auf sehr hohem Niveau.


Fazit
Zombies im Weltall – ein cooler Mix, der den wandelnden Untoten eine ganz neue Bühne gibt, um sich auszutoben. Cailleteau und Bajram haben in Cryozone einen SciFi-Comic geschaffen, der für eine düstere und blutige Atmosphäre sorgt. Für den Newcomer unter den französischen Zeichnern werden sich vor allem Fans von Christophe Bec begeistern, aber auch Zombie-Fans kommen auf ihre Kosten.


4_Sterne


Hinweise
Rezension von Sven Trautmann
Herzlichen Dank an Finix Comics für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.


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