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In Begleitung seines treuen Gefährten Konrad wird der Benediktinernovize Faolán in das streng reglementierte Columbankloster verbannt. Dort scheint jedoch nicht alles mit rechten Dingen zuzugehen, und Tag für Tag wächst auch Faoláns Sorge um Svea, seine große Liebe. Von dieser Furcht getrieben, entwickelt Faolán einen gefährlichen Fluchtplan um den eigenartigen Columbanbruder Clemenza. Etwa zur selben Zeit befindet sich der Edelherr Brandolf auf der Suche nach dem verschollenen Grafensohn Rogar, dessen ermordetem Vater er einst den Eid geleistet hat, sich um den Knaben zu kümmern. Doch der Mörder von damals lässt nichts unversucht, um dies zu verhindern. Eines Tages trifft der Edelherr auf zwei verwahrloste Pilger, deren Identität einige Fragen aufwirft, während Prior Walram, Graf Rurik und dessen Sohn Drogo bereits neue Ränke schmieden. Allerdings rechnet keiner von ihnen mit dem Einfluss jener Männer, die einst für den Überfall auf die Grafenburg verantwortlich gemacht wurden ... bis das Schicksal ihre Wege kreuzt!

 

 

Autor: Holger Weinbach
Verlag: Acabus
Erschienen: 30. Dezember 2010
ISBN: 978-3941404298
Seitenzahl: 388 Seiten

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Die Grundidee der Handlung
Es geht weiter mit Faolán und seiner Geschichte. Holger Weinbach knüpft mit seinem zweiten Band der „Eiswolf-Saga“ dort an, wo Band eins geendet hat. Gemeinsam mit seinem Freund Konrad wird Faolán von Abt Denegar und Prior Walram persönlich in das Columbankloster gebracht, das von nun an für unbestimmte Zeit ihr „Zuhause“ sein wird. Aufgrund eines Vergehens von Faolán wurden die beiden – auf Prior Walrams Betreiben hin – von ihrem jetzigen Heimatkloster verbannt, um demütig und gehorsam zu werden. Walram jedoch ist die Verbannung alleine nicht genug und er schmiedet bereits weitere Intrigen …


Stil und Sprache
Schon im ersten Band der Eiswolf-Saga, Brudermord, fielen die außergewöhnlich schöne Sprache und der intelligente und bildgewaltige Erzählstil auf - und auch im zweiten Band, Irrwege, wird der Autor diesem hoch angesetzten Level gekonnt gerecht. Weinbach holt den Leser exakt dort ab wo er ihn am Ende des ersten Bandes „stehen ließ“. Man begibt sich mit dem Protagonisten, seinem Freund und den Begleitern auf eine für die beiden Jungen sehr beschwerliche Reise zum Ort der Verbannung. Eindrucksvoll schildert der Autor die Entbehrungen der beiden, und bei der Ankunft im Columbankloster spürt man schier am eigenen Körper die Kälte, die nicht nur das alte, steinerne Gemäuer selbst ausstrahlt, sondern auch die der dort lebenden Mönche, deren Abts Devise nur absoluten Gehorsam, Demut, Arbeit und Gebet kennt. Meisterhaft und auf sehr subtile Weise schildert Holger Weinbach die beklemmend bedrückende Atmosphäre des Klosters und schafft so ein Szenarium, dass sich förmlich spüren und greifen lässt - und man ist nicht selten gewillt, sich eine wärmende Decke umzuhängen, um der nasskalten Feuchtigkeit der Klosterzellen zu entkommen.

Den beiden verbannten Freunden gelingt nach reiflicher Planung eines Tages die Flucht, die aber letztendlich doch nicht die ersehnte Freiheit bringt, da sie durch einen dummen Zufall auf der Burg eines Edelherren landen, auf der sie eine begangene Untat abarbeiten müssen.
Auf Faoláns und Konrads Erlebnisse ist die Geschichte fokussiert, aber man folgt nebenbei noch drei weiteren Erzählsträngen. Einmal begleitet man Svea, Faoláns große Liebe, die nicht weiß, was mit ihm geschehen ist, und auch Drogo, Faoláns größtem Feind, blickt man so manches Mal ins Angesicht. Aber es ist noch eine neue Figur, und damit der dritte Erzählstrang, hinzu gekommen: Bjoren, der Jarl aus Birka, der auf der Suche nach dem geheimnisvollen Wolf ist, der seine Heimat zerstören wird. Mit Bjoren bekommt die Geschichte einen zusätzlichen Spannungsbogen, der straff und uneinsichtig bleibt, da sich (noch) nicht erschließen lässt, wohin der Autor einen führt. Es ist, als blicke man durch verschiedene Fenster, die sich öffnen, wenn ein Perspektivenwechsel stattfindet, und man übertritt dann die Schwelle, um die jeweiligen Figuren zu begleiten und muss - ob der feinfühligen und realistischen Darstellung - Acht geben, nicht zwischen die Fronten zu gelangen.


Figuren
Die Figuren waren schon im ersten Band der Wermutstropfen. Zu einseitig, zu schwarz/weiß waren alle Darsteller gezeichnet, was sich noch krasser abzeichnete, da dies so gar nicht zu der so intelligenten und empathischen Erzählweise der Geschichte passen wollte. Aber Holger Weinbach scheint sich die Kritiken seiner Leser zu Herzen zu nehmen, denn schon hier im zweiten Band spürt man den Versuch einzelnen Figuren mehr Charakter, mehr „Leben“, mehr Schattierungen und so auch mehr Glaubwürdigkeit einzuhauchen.
Sehr erfreulich durfte man feststellen, dass mit Rurik, Drogos Vater, eine bizarre Wandlung von statten ging, und auch zu Drogos extrem psychopathischen Hass gewährt der Autor einen Hauch von Erklärung mit einem kleinen Einblick in Drogos Innerstes. Auch mit den Nebenfiguren hat sich Weinbach viel Mühe gegeben und sie – wenn auch nicht perfekt –  doch mit viel Liebe gezeichnet.
Sind die Charaktere der Figuren noch nicht alle schriftstellerisch ausgereift, so zeigt sich doch die positive Entwicklung, so dass man berechtigt hoffen darf, zu der so harmonisch und niveauvollen Sprache und dem bedeutungsschwangeren, cineastischen Erzählstil eines Tages auch die ebenso passenden vielschichtigen und tiefgründigen Figuren zu finden, die aus einem guten Buch ein Ausnahmebuch werden lassen.


Aufmachung des Buches
Erfreulicherweise ist man der sehr schönen und für einen historischen Roman herausstechend schönen und sehr geschmackvollen Aufmachung treu geblieben. Die broschierte Ausgabe ist noch mit einer Karte, einem Personenregister und Anmerkung und Danksagung des Autors bereichert und vervollkommnet.
Einzig Bibliophilsten werden nicht ganz so glücklich sein mit dieser Ausgabe, ist doch der zweite Band vom Format her kleiner (und dadurch zweifelsohne handlicher und besser zu lesen) und passt so im Regal der Größe nach nicht zum ersten Band. Man kann nur hoffen, dass der Verlag sich nun auf eine fixe Größe festgelegt hat.


Fazit
Eine gekonnte Fortsetzung zum ersten Band, dessen einzig wirkliches Manko es ist, dass man als Leser noch bis 2015 (!) warten muss, bis man im sechsten Band das Ende erfährt. Die ersten beiden Bände sind auf jeden Fall eine Leseempfehlung, wenngleich das Problem entstehen wird, dass man sofort weiterlesen möchte, aber man gezwungen ist, zumindest bis zum dritten Band noch ein Jahr zu warten.
Ein sehr innovativer, spannender und bildgewaltiger zweiter Teil, der Lust am Weiterlesen weckt.


4 5 Sterne


Hinweise
Dieses Buch kaufen bei: amazon.de

Backlist:
Band 1: Die Eiswolf-Saga: Brudermord

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