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Mit Romantik oder gar Leidenschaft hätte Bella ihren Umzug in die langweilige, verregnete Kleinstadt Forks kaum in Verbindung gebracht. Bis sie den undurchschaubaren und unwiderstehlichen Edward kennenlernt. Mit aller Macht fühlt sie sich zu ihm hingezogen. Und riskiert dabei mehr als ihr Leben ...

Bella und Edward – die Geschichte einer berauschenden, berückenden, betörenden Liebe, einer Liebe gegen jede Vernunft – jetzt als Comic!

 

Twilight_Comic  Originaltitel: Twilight – The Graphic Novel Volume 1
Autor: Stephenie Meyer
Übersetzer: Karsten Kredel
Illustration: Young Kim
Verlag: Carlsen Comic
Erschienen: 07/2010
ISBN: 978-3-551-79401-7
Seitenzahl: 224 Seiten
Altersgruppe: ab 14 Jahre (Empfehlung des Verlags)


Die Grundidee der Handlung
Der Zusammenfassung der Buchrückseite muss ich an dieser Stelle kaum etwas hinzufügen. Stephenie Meyers Biss-Reihe hat – auch schon vor den äußerst erfolgreichen Verfilmungen – weltweite Bekanntheit erlangt. Und wer die Story um Edward und Bella doch noch nicht kennt, der sollte sie unbedingt kennenlernen. Mehr soll hier zu den Inhalten trotzdem nicht verraten werden.

Nun liegt mit diesem Band der erste Teil der Adaption als Graphic Novel vor und erschließt sich damit auch diejenigen Leser, welche das Medium des Comics dem von Romanen, Hörbüchern oder ggfs. auch Verfilmungen vorziehen – oder die Geschichte einfach nochmal als Comicadaption genießen wollen. Durch die enge Zusammenarbeit von Stephenie Meyer und Young Kim kommt diese Adaption den ursprünglichen Visionen der Autorin so nah, wie es nur möglich ist – vermutlich deutlich näher als die Kinovariante.


Beurteilung der Zeichnung / Textdarstellung
Zur Einführung stimmen die ersten Sätze aus der Roman-Version ein, begleitet von sehr knapp gehaltenen Ausschnitten auf dunklem, mit Mustern versehenen Hintergrund. Ergänzt werden diese fünf Seiten vom Herabrinnen der Feuchtigkeit, die zuerst wie Tränen oder Wasser wirkt, dann aber den dunklen Farbton von Blut annimmt. Nach der Eröffnung beginnt die Geschichte dann erst richtig.
Young Kim, deren Arbeiten ich mit diesem Comicband erstmals kennengelernt habe, entpuppt sich als Meisterin ihres Fachs. Ihr Stil ist unglaublich exakt und detailliert, sie zeichnet mit gewaltigem Können, einer Genauigkeit, die mir bisher nur ganz selten untergekommen ist, und einem hervorragenden Auge für Details – egal, ob es sich hierbei um die Charaktere, um Fahrzeuge, Gebäudefassaden oder Innenräume handelt. So sind z.B. manche Einzelheiten, wie der Glanz der Lichtreflexe auf dem Schaukelstuhl beim ersten Blick in Bellas Zimmer so beeindruckend erstellt, dass man eher an ein Foto als an eine Grafik denkt.
Die Adaption hat sowohl Stilelemente der Comic- als auch der Manga-Gattung. Während die Personen an die Art der Manga-Darstellung erinnern, fehlen ihnen gleichzeitig die übertrieben großen Augen, als auch die für diese Richtung üblichen Verniedlichungen; zudem liest sich die Graphic Novel in europäischer Leserichtung. Besonders gelungen sind Kim jedoch die Figuren, die fast immer auf deutlich überdurchschnittlichem Niveau gezeichnet sind. Nur selten – und dann aus stilistischen Gründen – reduziert die Illustratorin die Charaktere, fast immer sind sie jedoch hervorragend und gefühlvoll gezeichnet, die Gesichter bis in die feinsten Nuancen hinein, während die Kleidung schon mal etwas einfacher hinzugefügt wurde. Da Kim bei der Produktion so eng mit der Autorin zusammengearbeitet hat, ist davon auszugehen, dass die Charaktere dem am nächsten kommen, was sich Meyer unter ihnen vorstellt – sie sind jedenfalls keine gezeichnete Interpretation der Verfilmungen, sondern eigenständig. Bestechend oder sogar oft brillant sind die Darstellungen, wenn sich Kim eine der Persönlichkeiten herausgreift und – teilweise sogar nur als Ausschnitt – portraitiert. Dann fesseln besonders Edwards Augen den Blick des Betrachters, während bei Bella häufiger die langen Haare im Wind wehen. Oft ist Bella eine kleine Schweißperle angemalt, wenn sie sich mit Edward unterhält oder über seine Identität rätselt. Allerdings soll das wohl eher die aktuelle Verfassung – Nervosität, Faszination, Verwirrung – verdeutlichen. Selbst Statisten, die verhaltener erstellt wurden, sind dennoch meist sehr gut umgesetzt.

Um dem ersten Moment, in dem Bella auf die Cullens aufmerksam wird, etwas Magisches zu verleihen, reduziert Kim das Umfeld von Bella auf grobe weiße Konturen vor schwarzem Hintergrund, während Edward als weiße Kreidekontur vor dem zaghaft eingefärbten Hintergrund betont wird. Kim arbeitet fast ausschließlich schwarzweiß, die Konzentration liegt bei ihr auf dem hohen Anspruch ihrer Illustrationen. Hin und wieder jedoch streut sie etwas Farbe in die Bilder, blass und mit wenig Farbsättigung, wegen der geringen Verwendung jedoch umso ausdrucksstärker. Sie koloriert dann nie die ganzen Panels, sondern mit der Color-Key-Technik nur bestimmte Bestandteile: Jacken, Fassaden, Hintergründe oder sogar nur Edwards Augen. Lediglich die Szene auf der Lichtung (Fans wissen Bescheid) ist mit stärkerem Farbeinsatz gestaltet. Ein großer Teil der Illustrationen hat ein luftig-leichtes Aussehen, ohne jedoch kontrastschwach zu sein. Von Weiß bis Schwarz sind sämtliche Zwischenschattierungen vorhanden, Verläufe sehr fein umgesetzt.
Gelegentlich scheint die Grafikerin auf wirkliche Fotos zurückzugreifen, in die sie dann hineinzeichnet, so z.B. zu Beginn der Story das sehr dynamische Bild des regennassen Waldes, durch den der Streifenwagen braust. Auch Edwards Volvo, der Strand von La Push und Szenen aus dem Wald sehen immer wieder dermaßen fotorealistisch aus, dass sie auf mich wie eine überzeichnete Fotografie wirken - diese Technik ist mir bereits in der Mangareihe „Basilisk“ von Futaro Yamada begegnet.

Die Zeichnerin hat ein großes Repertoire verschiedenster Techniken der Bildgestaltung, welche sie je nach Bedarf heranzieht, um die Darstellung der Situation anzupassen, z.B. haben manche Grafiken einen verwaschenen Look. Die Anordnung, Gestaltung und Umrandung der Panels setzt Kim überaus flexibel ein, grenzt sie mal klassisch, mal mit Verzierungen voneinander ab, um sie an anderer Stelle teils zu überlagern oder ineinander fließen zu lassen.
Die runden Sprechblasen sind entweder mit weißem Hintergrund versehen oder immer dann, wenn sie grafische Elemente zu sehr verdecken würden, leicht transparent, dabei aber jederzeit gut zu lesen. Gedanken von Bella oder Erzählungen aus ihrer Sicht heben sich als blasse, eckige Kästchen – an den Rändern auch schon mal verziert – von den Dialogen ab.


Aufmachung des Comics
Schon das Layout des Comics begeistert. In der Größe der gebundenen „Biss“-Romane gehalten und ebenfalls in gebundener Form, wird sich der Comicband im Bücherregal wie selbstverständlich neben der Belletristik einordnen. Wunderschön gestaltet und ein absoluter Hingucker ist der matte Schutzumschlag, der vorne Bella im Gras liegend zeigt, gehüllt in eine Stimmung aus Licht und Schatten. Lediglich die Schriftzüge Twilight, Biss und Der Comic Teil 1 heben sich golden und hochglänzend von dem matt-eleganten Stil ab. Auch unter dem Schutzumschlag könnte man das Buch mit den Romanen verwechseln, die Schriftzüge sind hier alle in glänzendem Gold auf das ansonsten schwarze Werk aufgedruckt.
Nach einem kurzen Vorwort von Stephenie Meyer startet dann der Comic, zu dessen Abschluss es noch eine Danksagung von Young Kim gibt.


Fazit
Stephenie Meyers Vierteiler über Edward und Bella ist mittlerweile Kult und zieht mit seiner Story nicht nur weibliche Leser, Hörbuchhörer und Kinogänger an. Nun folgt die Comic-Adaption – und sie startet mit einem Paukenschlag. So hochfein detaillierte und anspruchsvolle Zeichnungen wie die von Young Kim sind mir bisher nicht begegnet. Twilight – Der Comic ist ein Meilenstein.


5 Sterne


Hinweise
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