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Gewalt und Mysterium eines Mittelalters von ungebrochener Anziehungskraft.

Sie sind die Missi Dominici, beauftragt, sämtliche in alle Winde zerstreuten heiligen Reliquien nach Rom zu bringen. Nur dass der junge Ronan Chantilly de Guivre und der brutale Ernst Wolfram recht merkwürdige Christen zu sein scheinen … offen gesagt, nicht eben sehr katholisch. Anderswo, in einem mittelalterlichen Dorf, das sich in nichts von jedem anderen unterscheidet, foltern und verbrennen vier Reiter der Apokalypse jede lebende Seele. Ihr Ziel: das Kind des Tierkreises zu finden, einen Heranwachsenden, der erstaunliche magische Kräfte geerbt haben soll. Einen Heranwachsenden, der gleichsam auch de Guivre und Wolfram interessieren könnte, deren versteckte Talente, so scheint es, denen der Reiter der Apokalypse in nichts nachstehen. Ganz offensichtlich uraltes Wissen …

 

Missi_Dominici_01  Originaltitel: Missi Dominici, volume 1 „L’infant Zodiacal“
Autor: Thierry Gloris
Übersetzer: Marcel Le Comte
Illustration: Benoît „Aries“ Dellac
Verlag: Ehapa Comic Collection
Erschienen: 05/2010
ISBN: 978-3-7704-3350-6
Seitenzahl: 48 Seiten
Altersgruppe: ab 15 Jahren (Empfehlung des Rezensenten)


Die Grundidee der Handlung
Der Inhaltszusammenfassung des Comicbandes möchte ich an dieser Stelle nichts hinzufügen, denn sie beschreibt gut, worum es in Missi Dominici geht. Thierry Gloris hat mit dem ersten Teil der Reihe den Auftakt für den fesselnden Mix eines historischen und fantastischen Epos auf die Beine gestellt, der seine Leser im Handumdrehen zu Fans der Serie werden lässt. Ein Werk wie das Mittelalter selbst, das romantisch veranlagt ist, in dem es aber auch rau und brutal zugehen kann.

So, wie ein guter Roman Leser ab den ersten Zeilen zu fesseln vermag, so nimmt einen auch der Auftakt zur Comicserie Missi Dominici bereits mit den ersten 4 Seiten direkt gefangen. Düster und unheilvoll, begleitet noch von Auszügen aus der Offenbarung des Johannes, kommen vier Reiter mit ihrem Gefolge über ein Dorf, auf der Suche nach dem Kind des Tierkreises, und verbreiten dabei Tod und Zerstörung. Temporreich und dramatisch, mysteriös und geheimnisvoll ist der Beginn der Reihe. Nachdem er die volle Aufmerksamkeit des Lesers gewonnen hat, nimmt der Autor zunächst ein wenig Tempo heraus, doch bleibt nicht viel Zeit zum Luftholen, denn in diesem Rhythmus setzt Gloris seine Geschichte fort.


Beurteilung der Zeichnung / Textdarstellung
Der persönliche Stil von Benoît „Aries“ Dellac, mit dem er seine Arbeiten zu Papier bringt, ist überwiegend hochwertig und liebevoll. Landschaften, Schiffe und Städte sind exakt und bis in die Einzelheiten genau aufgelöst und verströmen den Flair des frühen Mittelalters. So ist z.B. der erste Blick auf Riga beeindruckend, der Blick gleitet langsam durch das Panel und erfreut sich der vielen Kleinigkeiten, die es zu entdecken gibt und den Leser in das Bild versinken lassen. Nicht weniger imposant ist es, den Grafiker in die Stadt zu begleiten – oft wunderschön ausgearbeitet ist es ein Genuss, sich durch den Comic zu lesen. Das pulsierende Leben von Riga, aber auch das (Über-)Leben in den dunklen Gassen spricht aus den Bildern heraus. Aufwendig widmet sich Dellac der Architektur, aber auch den Wohnbedingungen von reich und arm in dieser Großstadt des 8. Jahrhunderts. Mit gleicher Kunstfertigkeit widmet er sich den mysteriösen Kultplätzen und dem Dorf der Liven. Ebenfalls prächtig, mit viel Mühe und astrein gezeichnet präsentiert sich der Thronsaal des Fürstbischofs.
Seine Stimmungen beziehen die Umgebungen auch aus der Farbwahl: kaltes grau-blau steht für die Winterkälte und für die eisigen Nächte, warme Töne kommen in den von Fackeln und Feuern beleuchteten Räumen zum Einsatz. Im übrigen sind die Farben natürlich-realistisch, nicht zu knallig, aber auch nicht zu stumpf.

Auch seine Charaktere erweckt er liebevoll zum Leben, kleidet sie ihrem Stand entsprechend mal in Lumpen, mal in aufwendig geschmückte Gewänder. Die Rüstungen und Bewaffnungen der Wachen sind zeitgemäß und passend, während die der apokalyptischen Reiter sehr marchialisch und bedrohlich daher kommen. Die Züge der Gesichter sind gekonnt erstellt und dem Charakter der Figuren entsprechend. Während Portraits immer gut, oft gar hervorragend ausgearbeitet sind, lassen die Details allerdings naturgemäß stark nach, je kleiner die Persönlichkeiten werden. Trotzdem sind auch dann noch fast immer die einzelnen Figuren von ihrem Aussehen her klar zu unterscheiden und zu identifizieren / erkennen. Nur selten werden sie dann silhouettiert oder als hell gefüllte Fläche dargestellt.

Ziemlich blutig und zuweilen – im realistischen Rahmen – auch brutal wird es in den Kampfszenen, daher empfehle ich, dieses Werk keinen Kindern oder Jugendlichen unter 15 Jahren zu geben. Wechsel der Handlungsstränge sind so vollzogen, dass sie in der Regel auf einer neuen Seite beginnen, zudem sind diese Wechsel deutlich zu erkennen.


Aufmachung des Comics
Wirklich wunderschön aufgemacht und damit sehr ansprechend gestaltet ist bereits das Cover des zwischen festen Deckeln eingebundenen und A4 großen Covers. Grundsätzlich in matten Tönen und einem eleganten Look, heben sich Titel, Tierkreiszeichen und die Flammen per Spotlackversiegelung ab. Insgesamt hat der Band damit ein wirklich edles Aussehen. Mit den vier apokalyptischen Reitern hat mich der Comic allein schon von der Darstellung direkt für sich gewonnen.

Das glänzende Papier ermöglicht leuchtende Farben und einen Druck, der die Zeichnungen mit einer gewissen Brillanz versieht – toll anzuschauen, bei ungünstigen Lichtverhältnissen beginnt jedoch der Tanz um die bestmögliche Haltung, um den Comic möglichst ohne störende Spiegelungen des Lichts genießen zu können.


Fazit
Gloris und Dellac nehmen den Leser in Missi Dominici mit auf eine Reise ins finstere Mittelalter, gewürzt mit einigen fantastischen und mystischen Elementen - ein spannender, zuweilen aber brutaler Auftakt zu einer fesselnden Serie. Die Zeichnungen von Dellac sind größtenteils hervorragend und transportieren die Atmosphäre dieser Epoche. Eine klare Empfehlung!


5 Sterne


Hinweise
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