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Das Ostfrankenreich im Jahr 956: Es herrscht wieder Frieden im Reich König Ottos, nachdem im Vorjahr die ungarischen Horden erfolgreich auf dem Lechfeld geschlagen wurden. Doch die vermeintliche Ruhe trügt. Die noch vor wenigen Monaten einig hinter ihrem König stehenden Fürsten trachten danach, ihre Macht im Reich zu festigen und ihren Einfluss auszudehnen. Kaltblütig werden selbst gegen die eigene Familie Intrigen geschmiedet! Durch einen Verrat seines Bruders soll die gesamte Familie des Grafen Farold gemeuchelt werden. Einzig dem siebenjährigen Sprössling Rogar gelingt die Flucht in dieser Blutnacht. Traumatisiert und ohne Kenntnis über seine wahre Identität, wird er als Waisenkind unter dem Namen Faolán in das Noviziat eines Benediktinerordens nahe Neustatts aufgenommen, wo ihn der Abt und der Kellermeister vor den meuchelnden Fingern des Verräters zu bewahren versuchen. Auch die irdischen Mächte bleiben nicht untätig. Der junge Ritter Brandolf, der seinem Herrn Farold selbst nach dessen Tod treu ergeben ist, strebt danach, Rogar zu finden und zu seinem rechtmäßigen Erbe zu verhelfen. Zu diesem Zweck rufen er und sein Vater die höchste Instanz im Reich an, König Otto selbst, und beschuldigen Farolds Bruder öffentlich des Verrats. Doch der Herrscher hat weitreichende Pläne und benötigt hierzu schlagkräftige Vasallen … Unwissend über all diese Streitereien, lernt Faolán eines Tages das Mädchen Svea kennen. Von diesem Tag an beginnt sich sein Leben auf dramatische Weise zu wandeln. Sein bisheriges Weltbild gerät ins Wanken, als er sich seiner Liebe zu Svea bewusst wird. Faolán versucht alles in seiner Macht stehende, um das Mädchen wiederzusehen. Dabei begeht er einen fatalen Fehler, der seinen Häschern nach all den Jahren endlich eine Gelegenheit eröffnet, den wahren Erbe der Grafschaft ein für alle Mal aus dem Weg zu schaffen.

 

  Autor: Holger Weinbach
Verlag: Acabus
Erschienen: 4. Februar 2010
ISBN: 978-3941404397
Seitenzahl: 300 Seiten


Die Grundidee der Handlung
Die Beschreibung am Buchrücken ist so (beinahe zu) ausführlich, dass es nichts mehr hinzuzufügen gibt.
Nicht so ideal fist die Aufteilung dieses Romans in fünf Bände. Gerade historische Romane haben oft mehr als sieben- oder achthundert oder auch weit über eintausend Seiten, so dass man aus diesen fünf auch drei Bände hätte machen können die mit Sicherheit tolle, und nicht einmal allzu dicke, Schmöker ergeben hätten. Aber da spielt natürlich auch der Preis eine nicht unerhebliche Rolle.


Stil und Sprache
Packend, beklemmend und düster – ähnlich der Atmosphäre von Umberto Ecos verfilmten Roman „Der Name der Rose“ -, so empfindet man den Roman nach den ersten Seiten. Der Leser fällt förmlich in das Buch und steht mitten im Geschehen eines verräterischen und hinterhältigen Überfalls auf die Greifburg. Holger Weinbach versteht es, mit seiner glatten, aber eindringlichen Sprache den Leser zu packen und bis zum Schluss nicht mehr loszulassen.
In der Regel erwartet sich der Liebhaber des historischen Genres auch einen Einblick in die politischen Ereignisse der damaligen Zeit, die der Autor aber nur ganz am Rande einmal streift. Da dieser Roman jedoch so auf die Erlebnisse Rogars (im Kloster „Faolán“ genannt) zugeschnitten ist, stört dies hier nicht. Meistens begleitet der Leser Faolán durch sein Leben, nur ab und an verweilt man in Sveas Geschichte (mit deren Geburt das Buch beginnt) und auch in die Erlebnisse Brandolfs bekommt man - wenn auch nur sehr kurze - Einblicke.

Heiße Liebesszenen in einem Roman sind oft mehr als überflüssig, aber die sich zwischen Faolán und Svea entwickelnde zarte Liebe ist mit immenser Empathie so nachvollziehbar gezeichnet, dass sie in diesem Fall eine Bereicherung für das Buch ist. Der Autor versteht es wirklich hervorragend, die Stimmung und auch das Fluidum der vergangenen Zeit einzufangen und glaubwürdig zu vermitteln.


Figuren
Bei den Figuren fällt es wirklich sehr schwer, die nun folgende Kritik anzubringen, da dieses Buch bis zur Hälfte nahezu perfekt, ja, schon fast ein „fünf Sterne plus“ Roman war.
Da ist nun der  Protagonist Faolán, der junge Ritter Brandolf, das ermordete Grafenpaar Sigrun und Farold oder auch der Abt des Benediktinerklosters und alle sind mit sehr viel Feingefühl sehr authentisch und glaubhaft gezeichnet. Wie schon erwähnt, finden sich in der ersten Hälfte des Buches keine Schwachstelle und die Figuren passten sowohl zum doch sehr guten sprachlichen, wie auch erzählerischen Niveau. Als aber in der  Benediktinerabtei, in dem der junge Faolán (eigentlich Rugar) Zuflucht gefunden hat, der Sohn Ruriks, Drogo, als Novize aufgenommen wird, verlieren die so empathisch ins Leben gerufenen Figuren kontinuierlich an Charisma und Glaubwürdigkeit. Rurik, der Bruder des ermordeten Grafen, ist von Neid, Habsucht und Machtgier ebenso besessen wie seine Frau Wulfhild. Auch der Prior der Abtei, Walram, ist von Hass, krankem Ehrgeiz und Bösartigkeit zerfressen. Sie sind die absolut „Bösen“ in dieser Geschichte, was aber gerade noch realistisch wirkt. Dass sich aber der erst siebenjährige Drogo ohne Grund gerade Faolán aussucht, um ihm all die Jahre das Leben schwer zu machen und dies mit den allerhässlichsten Gemeinheiten, ist doch etwas weit hergeholt und absolut nicht nachvollziehbar. Drogo ist der tumbe und großmaulige Kraftprotz, der jede Gelegenheit nutzt, Faolán eines auszuwischen. So dumm und böse Drogo ist, so klug, eifrig und von einwandfreiem Charakter zeigt sich Faolán. Aber dem nicht genug, denn auch alle Soldaten Ruriks sind so richtig böse und hinterhältig. Nach und nach zeigen sich die Figuren immer kontrastreicher in schwarz/weiß, was qualitativ ein enormes Loch in die Bewertung dieses ansonsten so außergewöhnlich guten Romans reißt.

Da dies ein Debütroman ist, kann man so manchen Logikfehler noch verzeihen. Um nicht zu viel von der Geschichte zu verraten, sei nur ein Beispiel zum Protagonisten angeführt: Rogar (Faolán) kommt als siebenjähriger Knabe in die Abtei und wird dort liebevoll vom Abt und dem Kellermeister aufgenommen. Rogar scheint sein Gedächtnis verloren zu haben, was sich angesichts seiner dramatischen Erlebnisse auch stringent erklären lässt. Nicht verständlich jedoch ist, dass ein Junge nicht ein einziges Mal nach seiner Herkunft oder seinen Eltern fragt …


Aufmachung des Buches
Bei diesem doch sehr guten Buch, wäre eine schöne Hardcoverausgabe mit qualitativ hochwertigem Schutzumschlag und Lesebändchen wünschenswert (dass dies eine Preisfrage ist, versteht sich von selbst). Dieser Roman hebt sich aber von der Masse so positiv ab, dass er zweifelsohne eine schöne Aufmachung verdient hätte. Gerechterweise muss man anmerken, dass der Umschlag dieser broschierten Ausgabe äußerst geschmackvoll und absolut passend zum Inhalt gestaltet ist – dies in gebundener Form – perfekt!
Die papiersparende Druckweise des Verlages macht auch hier aus einem ca. 450 Seiten Roman ein Buch von lediglich 300 Seiten, was den dadurch etwas irritierten Liebhaber historischer Romane auch zögern lassen wird, im Buchhandel sofort zu dem Buch zu greifen. Der Leser dieses Genres ist in der Regel Bücher ab einer Mindestseitenzahl von 400 bis 500 aufwärts gewöhnt.
Die Inhaltsangabe ist passend und die Kapiteleinteilung gut gewählt. Ein ausführliches Nachwort, eine Auflistung der Figuren (gerade bei einem Mehrteiler) oder auch eine Landkarte von Reich König Ottos der damaligen Zeit, wäre eine wunderbare Bereicherung gewesen.


Fazit
Definitiv zeigt Holger Weinbach in diesem historischen Roman immenses Potential und die erwähnten Mankos sind vermutlich einfach auf einen Erfahrungsmangel zurückzuführen, denn dass der Autor erzählen kann, hat er mit diesem Buch hervorragend gezeigt. Man darf hoffen, dass im Folgeband die erwähnten Mankos behoben werden, denn vom Erzählerischen kann man nur hoffen, dass der Autor das Genre der historischen Romane mit weiteren Büchern noch bereichern wird. Jeder, der diesen ersten Teil gelesen hat, wird nun mit Spannung den zweiten Band erwarten!


4 Sterne


Hinweise
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  • Hallo "Lerchie",
    nun, wegen der Ausstattung des Buches habe ich keinen Stern abgezogen, da ist sehr wohl der Inhalt maßgeblich. Denke, weshalb "nur" 4 Sterne (was für einen Debütroman sehr gut ist!), habe ich auch ausführlich begründet. Würde empfehlen auch den zweiten Band zu lesen, da hat der Autor sich nämlich bemüht die angeführten Schwächen auszumerzen, was ihm auch gut gelungen ist.

  • Ich kann mir im Gegensatz zu der Rezensentin durchaus vorstellen, dass Drogo auch mit sieben Jahren schon so bösartig war. Es hängt mit der Erziehung zusamen, die ihm wahrscheinlich suggeriert hat, dass er eben was Besonderes ist und alles was weniger ist als er ist nichts! Faolan war lt. Holger Weinbach zartgliedrig, und Drogo ist einer von der Sorte, der nur auf Schwächere losgeht. folglich ist das gar nicht so abwegig.
    Das Format des Buches lag wohl am Verlag. Es hat sich ja auch inzwischen geändert. Natürlich ist ein gebundenes Buch immer schöner - und auch haltbarer. Aber es braucht auch mehr Platz und kostet in der Regel mehr Geld.
    Im Übrigen finde ich diese Rezension sehr gut. Bei mir bekam der Autor fünf Sterne, weil ich eben nur den Inhalt rezensiere und nicht die Ausstattung. Und der Inhalt ist Klasse!

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