| Henke, Susanne (2010) |
| Geschrieben von: Daniela Loisl |
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Frau Henke, Sie haben sich beruflich ja schon auf allerlei Gebieten bewegt. 2005 wurden Sie mit einem der vier Nachwuchspreise prämiert, die die Jury bei dem Wettbewerb „Deutschland schreibt“ vergab und 2007 wurden Sie sogar für den „Deutschen Kurzkrimipreis“ nominiert. Wie und wann kamen Sie auf die Idee zu schreiben? Wäre ich eine Figur aus einer meiner Geschichten läse sich das vermutlich etwa so: "Er oder ich. Das war nur eine Frage der Zeit. Aber der Plan musste perfekt sein. Also schrieb ich ihn auf. Konnte ich denn ahnen, dass meine Haushälterin den Text an ein Magazin schicken würde? Leider wurde ich auf Grund der Veröffentlichung überführt, dafür verschaffte mir der Gefängnisaufenthalt genügend Muße, meiner Kreativität freien Lauf zu lassen." Tatsächlich ist es ganz banal. Ich bin mit Büchern und Geschichten groß geworden, erfinde Geschichten, seit ich denken kann und kann mich beim besten Willen nicht an den Moment erinnern, an dem ich auf die Idee gekommen bin, zu schreiben.
Die Geschichten kommen zu mir. Auf der Straße, in der U-Bahn, im Café, im Konzert, überall, wo Menschen sind. Manchmal auch dort, wo gerade keine sind. Scharrt die junge Geigerin schon ungeduldig mit den Füßen, um an der Station zur Staatsoper herauszuspringen oder schleppt sie ihren Geigenkasten wie eine tonnenschwere Last die Treppen hinauf? Und wenn sie ihn schleppt, was ist passiert? Was wäre, wenn sie plötzlich vor lauter Lampenfieber nicht mehr spielen könnte …? In jeder Situation steckt das Potential für eine Geschichte. Und ich hatte das Glück, mich schon in vielen verschiedenen Milieus genauer umschauen zu können. Außerdem habe ich die Erfahrung gemacht, dass fast jeder bereit ist, einen über die Schulter schauen zu lassen, wenn man nett fragt.
So motivierend, wie Sie das formulieren, wird es ja wirklich Zeit ;-)
Meine Figuren sind ausnahmslos erfunden. Ich versuche nur, sie so "wahr" wie möglich zu machen. Passt das Umfeld? Würde der hyperaktive Freizeitsportler sich auf ein Kreuzfahrtschiff verirren? Wenn ja, warum? Ist das Verhalten stimmig? Würde der ewige Zauderer auf die Frage "Kaffee oder Tee?" sofort mit "Kaffee" antworten? Was treibt ihn an? Was lässt ihn aus der Haut fahren? Mein Mann wurde auch schon gefragt, ob er sich morgens nicht manchmal fragt, was eigentlich in dem Kaffee ist. Aber trotz oder vielleicht auch gerade wegen der schwarzen Gedanken, die ich zu Papier bringe, habe ich ein recht sonniges Gemüt.
Ich schreibe am liebsten zuhause ohne begrenztes "Zeitfenster". Wenn ich erst einmal dran bin, mag ich auch nicht wieder aufhören. Notizen mache ich mir immer und überall - zur Not auf dem Programmflyer oder der berühmten Serviette (lässt sich nur leider hinterher sehr schleicht entziffern).
Ich hätte auch Lust, einmal eine richtige Abenteuergeschichte zu schreiben.
Ich gehöre zu den allesverschlingenden Viellesern. Immer wieder gerne Jane Austen, Charles Dickens, Agatha Christie, Dorothy L. Sayers …
Die Idee zu diesem Buch hatte Vito von Eichborn, der Herausgeber der Edition BoD. Es ist sozusagen ein "aus zwei mach eins + C".
Ich werde versuchen, das "Bedürfnis nach mehr" zu stillen. Voraussichtlich in diesem Herbst. Herzlichen Dank, Frau Loisl. I'll do my very best ;-) |
























