| Abedi, Isabel (2010) |
| Geschrieben von: Jana Trautmann | |
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Liebe Frau Abedi. Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit für ein Interview genommen haben. „Irgendwie kennt man die Menschen in Büchern ja auch, finde ich. Manchmal sogar besser als die Menschen im richtigen Leben.“ Dieser Satz stammt von Lola Veloso, der Hauptfigur aus meiner Lola-Reihe. Und ich finde, sie hat Recht. Dieses Gefühl hat mein Leben von frühster Kindheit an bereichert. Und beim Schreiben von Büchern ist es im Grunde nichts anderes. Ich schlüpfe in fremde Häute. Fühle mich in andere Menschen ein und versuche, die Welt aus ihren Augen zu sehen. Schreiben ist wie Träumen ohne zu Schlafen.
Ich habe 13 Jahre lang in einer Werbeagentur gearbeitet. Ich war gewohnt, zum Arbeiten mein Haus zu verlassen. Als ich anfing, Bücher zu schreiben, konnte ich mir kein eigenes Büro leisten. Das Café Mathilde – das ja ein Literaturcafé ist – war für mich der optimale Ort. Mittlerweile habe ich mein eigenes Schreibbüro, aber dem Café Mathilde fühle ich mich noch immer verbunden, denn dort sind meine ersten Bücher entstanden.
Die Idee kam zu mir. Ich sah plötzlich diesen Jungen vor mir, der keine Erinnerung an sein eigenes Leben hat, aber dafür von diesem Mädchen träumt. Ich sah Rebecca mit ihren „Müttern“ in Hamburg und ihrem Vater in Los Angeles. Ich sah eine schöne heile Welt, in die plötzlich etwas hereinbricht, das alles aus den Fugen hebt. Und ich sah den kleinen weißen Bären, der Lu heißt ... Aus diesen Anfangsfunken spann sich nach und nach die Geschichte zusammen.
Alles in allem drei Jahre.
Sowohl als auch. Ich nenne diese Phase das „Schwangersein“. Die Figuren wachsen in mir, bekommen Hand und Fuß, eine Persönlichkeit und einen Namen. Ich unterhalte mich mit ihnen, führe innere Dialoge, bis die Figuren bereit sind, in ihre Geschichte entlassen zu werden. Von dort an entwickeln sie auch ihr Eigenleben und überraschen mich nicht selten mit Ideen, die ich gar nicht für sie geplant hatte.
Ja. Ich konnte lange nicht loslassen und noch immer sind die beiden so präsent in mir, dass ich noch nicht bereit bin, mich auf neue Figuren für einen Jugendroman richtig einzulassen. Deshalb ist es gut, dass ich jetzt erstmal in die Welt von Lola eintauche und erst danach mit dem neuen Jugendroman beginne.
Ich wähle den Mittelweg. Alles bis ins Kleinste zu planen wäre für mich ebenso unvorstellbar wie einfach drauf los zu schreiben. In gewisser Weise erstelle ich ein „Rezept“ und improvisiere beim Schreiben mit den Gewürzen.
Als meine Töchter noch jünger waren, hatte ich ganz strenge Schreibzeiten. Mittlerweile sind die Grenzen fließender. Und bei Lucian gab es am Ende nur noch das Schreiben. Ich habe den letzten Teil in Los Angeles geschrieben, in einem kleinen Häuschen am Meer. Die letzten Wochen war ich quasi Tag und Nacht in ihrer Geschichte verschwunden.
Ich schreibe immer nur ein Buch zur Zeit. Aber dabei wächst das nächste im Kopf nach. Stichwort: Schwangerschaft.
Ein heißes Bad, Fahrradfahren, Spazierengehen, meine Lektorin anrufen und meiner Familie auf die Nerven gehen.
Ja. Zum Teil im Studio selbst. Es war aufregend, Julia Nachtmann zuzuhören, zu erleben, wie stark auch sie sich in die Figuren eingefühlt hat. Es ist ein außergewöhnliches Erlebnis, sich seine eigene Geschichte erzählen zu lassen, noch dazu, wenn sie von einer so grandiosen Schauspielerin gelesen und von so wunderbarer Musik wie der von Eduardo Macedo begleitet wird.
Das habe ich bei einigen, kleineren Geschichten bereits getan. Mal schauen, was die Zukunft bringt. Ich bin offen dafür, mag es aber auch sehr, wenn meine Geschichten von Schauspielern gelesen werden.
Momentan schreibe ich am 7. Lolaband. Eine Idee für den neuen Jugendroman wächst gerade nach, aber sie ist noch im Embryostadium.
Die Geschichten von Astrid Lindgren, Michael Ende und Hans Christian Andersen haben meine Kindheit geprägt, die Jugend gehörte Stefan Zweig, Kafka, Dostojewski und John Irving. Zu meinen jetzigen Lieblingsschriftstellern zählen Barbara Vine und Siri Hustvedt. Ich lese aber auch leidenschaftlich gerne Jugendromane. „Die dunkle Seite des Mondes“ von Antje Babendererde, „Wenn er kommt, dann laufen wir“ von David Klass, „Eine wie Alaska“ von John Green gehören zu meinen Lieblingsbüchern.
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