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Foto: Privat 


Hallo Herr Perplies. Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit für ein Interview genommen haben. Sie arbeiten am Deutschen Filminstitut in Frankfurt am Main als Redakteur von filmportale.de und als Übersetzer. Nun erscheint im August 2008 Ihr erster Roman „Tarean – Sohn des Fluchbringers“. Spielt es bei ihrem schriftstellerischen Werdegang eine große Rolle, dass Ihre Eltern Sie als Kind in die Entwicklung der Handlung der Gute-Nacht-Geschichten einbezogen haben?

Ich denke, die Begeisterung für Lesen – und dann auch Schreiben – vollzog sich in mehreren Schritten. Vom gemeinsamen Geschichtenerzählen über unsere gut sortierte Gemeindebücherei bis hin zu der Gesamtschule, in der ich die Klassen 5 bis 10 besucht habe und in der wir immer wieder „freie Texte“ verfassen sollten, also Kurzgeschichten, die dann im Klassenrund vorgelesen wurden. All das hat meinen Spaß am Fabulieren sicher gefördert.


Am 29.05.2008 erhielten Sie per Post die ersten drei Lese-Exemplare Ihres Romans. Was war das für ein Gefühl?

Ein großartiges. Jahrelang hatte ich davon geträumt, dass irgendwann einmal mein Name auf einem Romancover stehen würde. Und da hielt ich „Tarean“ nun auf einmal in der Hand. Dieser Moment wird wohl nur noch von dem übertroffen, wenn ich das erste Mal in eine Buchhandlung gehe und der Roman dort im Regal steht. Oder wenn ich zufällig jemanden im Bus oder Zug treffe, der „Tarean“ liest.


War es schwer, einen Verlag für Ihr Roman-Manuskript zu begeistern? Mussten Sie viele Absagen über sich ergehen lassen, bis endlich die lang ersehnte Zusage im Briefkasten lag?

Eigentlich war es sogar überraschend einfach. Na schön, das Ausscheiden aus dem Schreibwettbewerb war zunächst eine kleine Enttäuschung, aber dann habe ich mir „Jetzt erst Recht“ gedacht und den Roman einer Literaturagentur, die auf Fantasy und Science-Fiction spezialisiert ist, zugeschickt. Die haben mir geraten, noch einmal über den Text zu gehen und nicht an Kommata zu sparen, um meine Satzungetüme zu gliedern – was ich getan habe. ;-) Danach wurde eine Präsentationsmappe vorbereitet und – meines Wissens – ca. zehn Verlagen gezeigt. Dann war zwischen der Buchmesse Frankfurt und der Buchmesse Leipzig ein paar Monate Funkstille – und in Leipzig hatte ich plötzlich drei Angebote. Das von LYX hat uns allen am Besten gefallen.


Worum geht es in Ihrem Roman „Tarean – Sohn des Fluchbringers“?

Die Geschichte handelt von dem Jungen Tarean, dessen Vater Anreon, ein Ritter des Kristalldrachenordens, vor sechzehn Jahren, während einer Schlacht der westlichen Reiche gegen das Wolflings-Heer des Hexenmeisters Calvas, unwillentlich dem Bösen zum Sieg verhalf. Seitdem gilt Tareans Vater, der in dieser Nacht sein Ende fand, unter den Menschen als „Fluchbringer“. Mit diesem schweren Erbe muss Tarean aufwachsen. Irgendwann begreift Tarean, dass es nur eine Möglichkeit gibt, den Namen seines Vaters reinzuwaschen: Er muss den Hexer für seine Taten zur Rechenschaft ziehen. Ausgerüstet mit dem magischen Schwert Esdurial macht er sich auf den Weg nach At Athanoc, zur Festung des Hexenmeisters. Auf dem Weg erlebt er so einige Abenteuer, und er trifft in dem Irrlicht Moosbeere, der Albin Auril und dem Werbären Bromm neue Freund, die ihm fortan zur Seite stehen.


Wie lange haben Sie an dem Roman gearbeitet?

Etwa sieben Monate – bei unregelmäßiger Schreibweise. Los ging es ungefähr im September 2006 und abgeschickt habe ich das Manuskript Ende März 2007. Danach folgten allerdings noch diverse Korrekturdurchläufe, sodass der Roman letztlich erst im April 2008 die Form hatte, die nun Mitte August als Buch erscheint.


Nun gibt es schon sehr viele Fantasy-Romane. Was ist an Ihrem Buch anders, warum sollte man es unbedingt lesen?

Ich denke, was „Tarean“ auszeichnet, ist einerseits, dass die Geschichte sehr filmisch erzählt ist – was vermutlich daher kommt, dass ich ein fast so großer Filmfan bin wie Buchliebhaber. Und so habe ich mir die ganze Zeit vorgestellt, wie die Handlung von „Tarean“ wohl auf der großen Leinwand aussehen würde. Dementsprechend ist ständig irgendetwas los, und es gibt ein paar ziemlich spektakuläre Augenblicke. Fünfzig Seiten Wassertreten, wie es einem sonst schon mal unterkommen kann, gibt es hier nicht. Zum anderen könnte ich mir vorstellen, dass den Lesern die Figurenkonstellation gefallen wird. Moosbeere beispielsweise ist zwar ignorant und egozentrisch, aber man muss sie einfach gern haben. Und wer will nicht einen Kumpel wie den Werbären Bromm haben, der sich zwar brummig gibt, aber für seine Freunde durch Dick und Dünn geht? Das ist meines Erachtens überhaupt das Wichtigste an einer Geschichte: Dass dem Leser die Figuren sympathisch sind, dass er gerne mit ihnen auf Abenteuer geht. Dann kann die Handlung noch so „klassisch“ sein, man hat trotzdem unglaublich viel Spaß beim Lesen.


Sie schreiben in Ihrem Blog, dass man Autoren nachsagt, „sie seien weltfremd, würden sich in ihrem hohen Elfenbeinturm der Literatur verschanzen, die weltlichen Dinge um sich herum ignorieren und nur noch ab und zu ein neues Werk aus dem Fenster fallen lassen, immer in der Hoffnung, dass sich am Fuße des Turms eine zunehmend große Masse an Lesern versammelt, die begierig auf „den neuen Wurf“ wartet.“ Erkennen Sie sich in dieser Beschreibung wieder? Sind Sie ein Eigenbrötler (geworden)?

Also so aus dem Zusammenhang gerissen, klingt das fast wie ein politisches Statement. Dabei war es eigentlich eine nicht ganz ernst zu nehmende Einleitung für eine selbstironische Reflexion anlässlich des Umstands, dass ich an jenem Samstagabend vor dem Computer hockte, statt mit Freunden was zu unternehmen. Genau genommen glaube ich sogar, dass Autoren heute publikumsnäher sind denn je – aber das nur zur Richtigstellung. Und nein, ich halte mich nicht wirklich für einen Eigenbrötler. Zumindest habe ich noch nicht viele Freunde verloren, seit ich schreibe. ;-)


Macht das Schreiben süchtig? Ist es Ihnen wichtiger, den Abend mit Ihren Roman-Figuren zu verbringen, als mit Ihren „echten“ Freunden?

Es ist meist keine Frage des Wollens, sondern eine Frage der Zeit. In der Endphase eines Romanprojekts (ich habe bis jetzt erst zwei erlebt, aber es war bei beiden so), ist man normalerweise voll in die „eigene Welt“ eingespannt. Dann muss (und will) man nur noch tippen, um das Ziel zu erreichen und „ENDE“ unter das Manuskript schreiben zu können. In dieser Phase muss auch mal das Bier mit Freunden warten. Das schmeckt dann aber umso besser, wenn der Roman abgeschlossen ist. Grundsätzlich ist ein gesundes Mittelmaß wohl die beste Lösung, denn würde man nur schreiben, hätte man irgendwann keine Freunde mehr. Würde man sich aber nur mit Freunden treffen, gäbe es kein Buch.


Wie lernen Sie Ihre Figuren kennen? Erstellen Sie Checklisten, führen Sie Interviews mit den Figuren?

Bislang bin ich beim Entwickeln von Konzepten für Geschichten immer so vorgegangen, dass ich mich gefragt habe, welche Art von Figuren ich gerne hätte, um der Handlung Leben einzuhauchen. Das heißt, es ist mir wichtig, dass die Figuren möglichst unterschiedliche „Typen“ sind, sowohl im Inneren, als auch äußerlich. Bei „Tarean“ beispielsweise gibt es ein quirliges Irrlicht, einen fürsorglichen Werbären, ein stoisches Steinwesen, einen mürrischen alten Bastler, und eine junge draufgängerische Schurkin. Mit dieser ganz groben Vorstellung steige ich in die Handlung ein – und dann lasse ich mich überraschen, was so passiert.


Haben Sie neben Ihrem Brotberuf und dem Schreiben von Romanen überhaupt noch Zeit für die Pflege sozialer Kontakte?

Naja, ich schlafe kaum noch und esse zwischen Tür und Angel. Nein, im Ernst: Es geht schon. Ich habe natürlich nicht mehr so viel Freizeit wie früher, aber ich habe eher bei der „Alleinunterhaltung“, also etwa Fernsehen oder Computerspielen, Zeit eingespart, als im Freundeskreis. Außerdem arbeite ich auch nicht Vollzeit, sondern nur 3-4 Tage die Woche. Anders wäre es auch nicht möglich, denn „nebenbei“ schreibt sich ein Roman weiß Gott nicht.


Was sagen Ihre Familie und Ihre Freunde zu Ihrem schriftstellerischen Tun? Haben sie Verständnis, sind sie vielleicht genervt oder absolut begeistert?

Also bislang sind eigentlich alle ziemlich begeistert. Klar gibt es manchmal leichtes Murren, wenn ich einen Termin platzen lassen muss, weil eine Deadline droht. Aber im Grunde sind doch alle sehr an dem interessiert, was ich tue – auch, weil der eine oder andere selbst schriftstellerische Ambitionen hegt und neugierig ist, wie es mir so mit meinem Debüt ergeht.


Wie kann man sich einen Tag in Ihrem Leben vorstellen, wenn Sie an einem Roman arbeiten? Haben Sie bestimmte Rituale, wie beispielsweise eine feste Schreibzeit oder eine bestimmte Seitenzahl pro Tag?

Ich bin jemand, der eher in den Abendstunden, als am frühen Morgen, schreibt. Wenn ich also einen Tag ganz dem Schreiben widme, beginnt das selten vor dem Mittagessen, endet aber durchaus nach Mitternacht. Mein Zeichenpensum liegt zwischen 10.000 und 20.000 Zeichen pro Tag, das sind etwa 6-12 Manuskriptseiten. Wenn es gerade sehr gut läuft, ist auch mehr drin. Sehr fruchtbar sind immer die Schreibsamstage, die ich mit einem Kollegen veranstalte. Dann treffen wir uns und jeder schreibt an seinem aktuellen Projekt. Das hat den Vorteil, dass man sich gegenseitig dazu verpflichtet, auch was zu tun. Wenn man alleine am Computer hockt, ist es allzu leicht, sich durch andere Dinge ablenken zu lassen.


Soweit ich weiß, ist der Folgeband zu „Tarean – Sohn des Fluchbringers“ bereits in Arbeit und wird im Frühjahr 2009 erscheinen. Verraten Sie uns, welche Abenteuer der Protagonist diesmal bestehen muss?

Ich sage nur so viel: die verschollenen Kristalldrachen (nicht der Ritterorden, sondern die Tiere) spielen darin eine wichtige Rolle.


Planen Sie schon weitere Roman-Projekte oder sind Sie vorerst ausgelastet?

Ich plane ständig neue Roman-Projekte. Ich kann gar nicht anders. Ich glaube, ich könnte allein mit den Ideen, die ich aktuell im Kopf habe, Jahre füllen. Konkret davon ist aber noch nichts. Ich könnte mir aber gut vorstellen, dass es noch einen dritten (und letzten) „Tarean“-Band gibt.


Können Sie sich vorstellen, Ihren Brotberuf aufzugeben und vom Schreiben zu leben?

Im Augenblick nicht. Es hat durchaus seine Vorteile, nicht nur zu schreiben. Man ist auf jeden Fall regelmäßig unter Leuten, man bekommt ein Gehalt, das die Miete bezahlt, und die Abwechslung ist einfach ganz schön. Aber wer weiß, wie es in zwei-drei Jahren aussieht. Ich bin sicher der Letzte, der sich beschweren würde, wenn sich abzeichnen würde, dass ich vom Schreiben leben kann.


Gibt es etwas, dass Sie unseren Leser noch sagen möchten?

Danke, dass es euch gibt. Gäbe es nicht so viele Menschen, die gerne lesen – in den letzten Jahren speziell Fantasy-Romane – würde es jungen deutschen Autoren wie mir viel schwerer fallen, in der Verlagslandschaft Fuß zu fassen. Oh, und wenn ihr mir eine Freude machen wollt: Kauft meinen Roman und lest ihn im Zug oder im Bus – damit ich sehe, dass ich die Geschichte nicht nur für mich selbst erzählt habe. ;-)


Ich danke Ihnen für das Interview!

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