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Sommer 1788. Als der Gelehrte Aleksander Mickiewicz sich in die schöne Madeleine, Tochter eines polnischen Aristokraten, verliebt, ahnt er noch nichts von den mysteriösen Umständen seiner Herkunft und von den Ereignissen, die ihn bald unversehens in die politischen Umbrüche hineinziehen werden. In Begleitung des geheimnisvollen, zuweilen verschrobenen Marquis d'Angélique begibt er sich auf eine gefährliche Reise nach Frankreich und begegnet dem genialen Vordenker der Revolution Graf Mirabeau und weiteren historischen Personen wie Frédéric Baron von Dietrich, Antoine Barnave, Grondel, Gräfin La Guyomarais, Manduit, Gräfin de la Fonchais und Prinzessin Lubomirska. Seine Welt beginnt, am Vorabend der Revolution aus den Fugen zu geraten ...

 

  Autor: Richard K. Breuer
Verlag: selbst verlegt
Erschienen: 03/2008
ISBN: 978-3-9502498-1-1
Seitenzahl: 230 Seiten 


Die Grundidee der Handlung
In „Die Liebesnacht des Dichters Tiret“ geht es um eine verhängnisvolle Liebesnacht des Protagonisten Mickiewicz, doch diese spielt eher eine untergeordnete Rolle. Es geht mehr um die Politik und das Leben 1788, also kurz vor der französischen Revolution. Die Unruhe und Unzufriedenheit des Pöbels ist bereits unterschwellig zu spüren. Doch hauptsächlich geht es wohl um Mickiewicz‘, dessen Leben sich ändert, als er sich verliebt und zudem erfährt, dass seine Mutter gar nicht seine leibliche Mutter ist. Um sich ein wenig abzulenken, begibt er sich auf eine Reise durch Europa, lernt viele Aristokraten kennen, liest eine Unmenge Bücher und versucht, seiner Angebeteten seine Liebe begreiflich zu machen.


Stil und Sprache
Der Einstieg in das Buch ist für den Leser verwirrend, fragt man sich doch, was das Ganze soll, worauf es hinausläuft. Auch die folgenden Kapitel lassen den Leser noch im Dunkeln tappen, bis sich nach und nach herauskristallisiert, worauf der Roman hinausläuft.
Im Laufe des Buches legt Richard K. Breuer dem gewillten Leser die Geschichte Frankreichs nahe, ohne dabei zu langweilen oder gar belehren zu wollen. Dabei gibt er am Ende des Buches an, dass das Geschriebene nicht ausschließlich auf Tatsachen beruht, sondern Geschichte auch immer ein Stück weit Fiktion ist.

Die Sprache und die Ausdrücke in dem Buch sind altmodisch, befremdlich und geschwollen, wie es für die Zeit, in der der Roman spielt, üblich ist. Trotzdem bleibt das Geschriebene für den Leser verständlich. Die Dialoge sind teilweise recht anspruchsvoll und können bzw. sollten nicht einfach so heruntergelesen werden. Man sollte sich schon seine Gedanken dazu machen, um auch das Gesagte zwischen den Zeilen zu verinnerlichen. Trotzdem versteht der Autor es, diese Dialoge mit einem gewissen Witz anzureichern, die den Leser zum Schmunzeln, ja gar zum laut Lachen bringen. Zudem übt die Art der Dialoge, das Gesagte, eine gewisse Faszination aus, die einfach Lust auf mehr macht.
Etwas ungewohnt ist in diesem Zusammenhang, dass das Buch im Präsens geschrieben ist, sodass man das Gefühl hat, alles würde sich im Hier und Jetzt abspielen, wo es doch schon mehrere Jahrhunderte zurück liegt.

Zeitsprünge innerhalb eines Kapitels macht der Autor durch einen Absatz und die mittig platzierte Abbildung einer kleinen Sanduhr deutlich.
Zudem findet der Leser an Namen häufig ein kleines Sternchen, das auf eine Fußnote verweiset. Dort steht das Geburtsjahr der jeweiligen Person. Ebenso findet man immer wieder kleine Zahlen am Ende eines Satzes, die auf den Anhang verweisen. Dort werden Fakten erläutert, geschichtliche Hintergründe kurz zusammengefasst und Daten und Infos zu damals tatsächlich existierenden Personen wiedergegeben. Dies hat den Vorteil, dass der Text nicht durch Erklärungen unterbrochen wird, doch nachteilig muss ich anmerken, dass diese „Randnotizen“ wohl kaum von jedem gelesen werden. Wer hat schon Lust, ständig ans Ende des Buches zu blättern, um dort etwas nachzulesen? Zudem schmälert das Hin- und Her-Blättern das Lesevergnügen beträchtlich.

Gut gefallen hat mir, dass das Ende des Buches einen beinahe schon heimlichen, unscheinbaren Haken zum Anfang der Geschichte schlägt und der Leser gemeinsam mit Mickiewicz eine böse (?) Überraschung erlebt.


Figuren
Die Figuren bleiben für meinen Geschmack zu blass und unscheinbar; es fällt schwer, sich mit ihnen zu identifizieren, teilweise sogar, sich an sie zu erinnern. Höchstens die ungewohnten und teilweise etwas komplizierten Namen lassen die Erinnerung an die eine oder andere Figur nicht gänzlich verblassen.
Der Protagonist des Romans, Mickiewicz, gewinnt mit der Zeit jedoch mehr Farbe, wird für den Leser greifbarer und seine Handlungen und Reaktionen verständlicher. Er muss sich mit seiner Herkunft auseinandersetzen, ist doch nicht alles so, wie es scheint.


Aufmachung des Buches
Das Buch ist als Taschenbuch mit 230 Seiten erhältlich. Der Autor Richard K. Breuer hat sich dazu entschlossen, seine Werke selbst zu verlegen, was der Qualität des Buches keinen Abbruch tut. Das Cover ist schlicht gestaltet, dabei jedoch elegant angehaucht. Der Titel ist so dargestellt, als wäre er mit einer Feder per Hand geschrieben worden. Auf der Buchsseite wird deutlich gemacht, dass es sich um den 1. Band handelt. Zudem sind die einzelnen Exemplare durchnummeriert (mir liegt Nummer 194 vor).


Fazit
„Die Liebesnacht des Dichters Tiret“ ist ein ungewöhnliches Buch, das Geschichte mit Witz vereint. Wer gerne historische Romane liest, wird an diesem Buch seine Freude haben. Doch dass die Figuren so blass bleiben und der Roman anfangs sehr undurchsichtig ist, habe ich als störend empfunden.


3 5 Sterne


Hinweise
Dieses Buch kaufen bei: amazon.de

Trailer:

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