| Askani, Stephan (Lektor im Fantasy-Bereich bei Klett-Cotta); 2008 |
| Geschrieben von: Jana Trautmann |
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Lieber Herr Askani, vielen Dank, dass Sie sich die Zeit für ein Interview genommen haben. Sie lektorieren und betreuen für Klett-Cotta den Bereich der Fantasy-Literatur. Ein großes Genre mit oft sehr ähnlichen, immer wiederkehrenden Motiven: viele Völker zum Beispiel gleichen sich sehr und werden in verschiedenen Romanen immer recht ähnlich beschrieben. Gibt es überhaupt noch etwas Neues in diesem Bereich? Oder ist der Markt langsam gedeckt? Es gibt bestimmende, zentrale Motive, die immer wiederkehren in der Fantasy. Die Kunst besteht darin, aus diesen - oft altbekannten - Elementen etwas ganz eigenständiges und neues zu machen. „Der Name des Windes“ von Patrick Rothfuss ist da ein ganz hervorragendes Beispiel: Rothfuss arbeitet mit vielen klassischen Motiven des Genres: Ein Waisenjunge, der sich allein durchschlagen muss, der Kampf mit einem Drachen, eine Zauberuniversität, die heroische Liebe zu einem hübschen Mädchen. Der Roman wird im Herbst als Spitzentitel bei Klett-Cotta erscheinen. Ich nenne ihn, weil Rothfuss es schafft, aus diesen Motiven einen ganz eigenen Stoff zu weben. Etwas Neues, auf eine sehr gewitzte Art nie da gewesen.
Gute Fantasy ist vor allem gut erzählt. Das ist das Wichtigste.
Ich suche die ganze Zeit. Und Überraschungen sind ein ganz zentraler Reiz von Fantasy. Aber was einem gefehlt hat, das merkt man oft erst, wenn man ihm begegnet. Wie gesagt: der eigene Atem, diese fremde, packende Stimme – das ist die große Stärke von Patrick Rothfuss’ „Der Name des Windes“. Und das zeichnet auch viele anderen Autorinnen und Autoren aus, wie ich sie mir wünsche: Mut zur Eigenständigkeit.
Ich verantworte diesen Bereich als fester Lektor. Dazu hole ich mir noch oft den Rat und die Empfehlungen von einem ausgezeichneten Genrekenner von außen ein. Das Programm wird abgestimmt mit Michael Zöllner, einem unserer beiden neuen verlegerischen Geschäftsführer im Verlag. Wir entscheiden gemeinsam darüber, welche Fantasytitel in das Programm passen. Auch die Vertriebsleitung gibt eine Stellungnahme zu jedem Projekt ab.
Lesen, viel telefonieren, Projektplanungen zusammenstellen, Vorschautexte verfassen, Termine koordinieren, mit Agenturen verhandeln, Übersetzeraufträge vergeben, Manuskripte redigieren, Korrekturen zusammentragen, Kontakte auf der Buchmesse pflegen , Bücher auf den Vertretertagungen vorstellen usw.
Ungefähr 200 im Jahr.
Jedes Manuskript wird angeschaut. Manche kürzer, manche länger. Und natürlich dauert es in der Regel einige Wochen, bis der Autor oder die Autorin von uns eine Rückmeldung erhält.
Ich bin mit einigen Autorinnen und Autoren unverlangt eingesandter Manuskripte im Gespräch. Mal sehen.
Die ersten Seiten entscheiden viel. Zum Beispiel, ganz einfach, ob man Lust hat, weiter zu lesen. In dieser Hinsicht ist das als Lektor nicht anders als bei jedem anderen Leser.
Das würde unsere Kapazitäten völlig sprengen, nein. Individuelle Absagen sind leider nicht möglich.
Nein, das würde ich nicht sagen: Auch Tad Williams hat eine frühe Version von „Shadowmarch 1. Die Grenze“ ins Internet gestellt. Das muss nicht schaden.
Redigieren, die Änderungen mit dem Autor bzw. dem Übersetzer absprechen, die Druckfahnen korrigieren, Korrekturen zusammenführen und abgleichen. Dann die Revision der Fahnen. Und schließlich das Imprimatur.
Das ist ganz unterschiedlich. Teilweise arbeiten ein Lektor und ein Autor sehr intensiv gemeinsam am Text. Oft, bei fremdsprachigen Titeln, ist natürlich auch der Übersetzer sehr eingebunden.
Empfindlichkeiten gibt es durchaus. Und das ist auch verständlich: Schließlich ist ein Roman ja quasi ein Kind des Autors. Es spricht, denke ich, für einen Autor, wenn er daran hängt.
Nein, es ist sogar ganz angenehm, im Hintergrund zu arbeiten.
Grundsätzlich ist der Markt für Fantasy am Wachsen. Es gibt eine große Lesergemeinde. Aber auch viele Gelegenheitsleser.
Große Erzähler fallen nicht einfach vom Himmel. Deshalb empfehle ich jungen Autoren, sich Vorbilder zu suchen und Reibungsflächen. Eine genaue Lektüre der großen Werke von Tolkien, Tad Williams, T.H. White. Erst in der Auseinandersetzung mit den Großen kann einer auch wirklich einen eigenen Stil entwickeln.
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