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Eine Stadt in der Vertikalen, 3000 Meter über dem Meeresspiegel.
Ein vergessenes Volk, bedroht durch eine unheimliche, archaische Macht.
Und eine kleine Truppe von Abenteurern aus der Alten Welt, zu allem entschlossen.

Thomas Thiemeyer verwebt atemraubende Schauplätze und verwegene Charaktere zu einer klassischen Abenteuergeschichte, die den Leser von der ersten bis zur letzten Seite fesseln wird.

 

  Autor: Thomas Thiemeyer
Verlag: Loewe Verlag
Erschienen: 09/2009
ISBN: 978-3-7855-6574-2
Seitenzahl: 448 Seiten


Die Grundidee der Handlung
Oskar Wegener, ein gerissener Straßenjunge mit scharfem Verstand, der sich sein Auskommen vornehmlich mit Diebstählen sichert, trifft, wie es der Zufall so will, auf einen stattlichen, augenscheinlich wohlhabenden Herrn imposanter Größe, dem noch dazu sein modisches Pariser Portemonnaie aus der Manteltasche blitzt. Keine Frage, kann der Junge dieser Gelegenheit nicht widerstehen und bietet gekonnt ein reifes Schauspiel, um sein Opfer gezielt zu überrumpeln und geschickt abzulenken. Oskar hat die Rechnung allerdings ohne den Wirt gemacht, denn Carl Friedrich von Humboldt, so nennt sich der adrette Naturforscher, kommt ihm trotz wohlüberlegter Fluchtstrategie auf die Schliche. Doch anstatt Oskar direkt den Gendarmen auszuliefern, macht er ihm ein interessantes Angebot, das Oskar nach reiflicher Überlegung anzunehmen gedenkt.
Carl Friedrich von Humboldt steht kurz vor seiner geplanten Expedition ins Gebiet rund um die Colca-Schlucht, die tiefste Schlucht der Erde, nahe des peruanischen Ortes Arequipa. Er gelangte an eine beeindruckende Fotoplatte dieser Gegend und fühlt sich ob seiner Entdeckerambitionen berufen, dieses unerforschte Stückchen Erde ausfindig zu machen. Unterstützt wird er dabei von seiner Nichte Charlotte Riethmüller und seiner Haushälterin mit beeindruckenden Fähigkeiten Eliza. Und eben Oskar, der ihnen organisatorisch und tatkräftig zur Hand gehen wird.
Die Reisevorbereitungen sind getroffen, dem Abenteuer steht nichts mehr im Wege – Wäre da nicht die Crew des Global Explorer unter Leitung von Alfons T. Vanderbilt, der Max Pepper und Valkrys Stone beauftragt hat, mittels vier weiterer Fotoplatten dem ewigen Konkurrenten zuvorzukommen. Ein spannender Wettlauf gegen die Zeit beginnt…


Stil und Sprache
Nach den erfolgreichen Wissenschaftsthrillern Medusa, Reptilia, Magma und Nebra wagt Thomas Thiemeyer nun den Sprung in ein anderes Genre, das ihm aus seiner Zeit als Illustrator noch in bester Erinnerung sein dürfte. Inspiration schöpft er aus Werken von Jules Verne, H. G. Wells, Robert Louis Stevenson, Sir Arthur Conan Doyle und auch Daniel Kehlmann, der ihn schließlich zum Verfassen eines Jugendbuches animierte.
„Die Stadt der Regenfresser“ ist der Auftaktband zur Abenteuer-Reihe „Chroniken der Weltensucher“ für Jugendliche ab zwölf Jahren. Während seine Thriller allesamt in der Gegenwart spielen, katapultiert Thiemeyer seine Leser jetzt zurück ins Jahr 1893. Hier wartet ein einzigartiges und fesselndes Abenteuer, das von unentdeckten Orten, verschollen geglaubten Völkern, ungeheuren Wesen und einer kleinen Gruppe unternehmungslustiger Charaktere erzählt.
Gegliedert in drei Teile zuzüglich Prologs schildert Thomas Thiemeyer über vierundfünfzig Kapitel in dritter Person Singular ein Erlebnis sondergleichen. Bereits der Prolog ist so einprägsam und lebendig geschrieben, dass der Leser gebannt von Seite zu Seite blättert. Die Spannung zieht sich wie ein roter Faden durch den gesamten Roman und wird durch Perspektivenwechsel zusätzlich gestützt. Ein buntes Spektakel, das den Leser förmlich mitreißt, als wäre er Teil der Gruppe vor Ort.
Langeweile? Keine Spur!
Thomas Thiemeyer überzeugt mit einem flüssigen Schreibstil, moderner Sprache und nicht zuletzt mit Originalität.
Hier und da bleiben Fragen offen und dienen damit als Überleitung zum Folgeband der Reihe „Chroniken der Weltensucher“.


Figuren
Neben bekannten Größen wie Alexander von Humboldt, Ferdinand Graf von Zeppelin oder Leonardo da Vinci braucht sich Carl Friedrich Donhauser nicht zu verstecken! Er ist eine nicht minder beeindruckende Persönlichkeit hoher Intelligenz und Weltoffenheit. Als vermeintlicher Nachfahre des berühmten Entdeckers und Naturforschers bleibt es nicht aus, dass auch Carl Friedrich von Humboldt, wie er sich zu nennen pflegt, in dessen Fußstapfen tritt. Voller Entdeckerfreude und Agilität bereist er unerforschte Orte, beschreibt und kartografisiert sie, sammelt und beobachtet Flora und Fauna und stellt schließlich seine Erkenntnisse der Allgemeinheit zur Verfügung. Gegenwärtig arbeitet er an einer umfangreichen Enzyklopädie, die kompakt, umfassend und vor allem erschwinglich für jeden aufgeklärten Denker sein soll.
Ihm zur Seite steht die farbenfrohe, exotische Eliza Molina. Die Priesterin und Weißmagierin haitianischer Herkunft, eine so genannte Mambo, hat ihn schon auf vielen Reisen begleitet und ist zudem als Haushälterin Humboldts unabkömmlich. Ihre Fähigkeiten und Visionen kommen der Reisegruppe stets zugute.
Auch Charlotte Riethmüller, die Nichte Humboldts, hat sich, entgegen Etikette und klassischer Rollenverteilung der Forschung und Wissenschaft verschrieben. Sie nimmt bei der Expedition die Rolle der wissenschaftlichen Assistentin ein und macht ihre Sache sogar mehr als gut.

Eine absolute Bereicherung auf Humboldts Reise sind der Straßenjunge Oskar Wegener und nicht zu vergessen Wilma, die aufgeweckte, putzige Kiwi-Dame.
Oskar hatte keine all zu glückliche Kindheit. Seinen Vater hat er nie kennen gelernt, seine Mutter starb früh. Aufgewachsen im Heim, versuchte er sein Überleben mit Straßenkehren, Botengängen und sonstigen Aushilfsdiensten zu sichern. Eine Schwäche Oskars sind spannende Erzählungen wie Ritterromane, Piratengeschichten und Abenteuer in fremden Ländern. Karl May, Jules Verne und andere helfen ihm, seinem Dasein als kleiner Straßengauner kurzzeitig zu entfliehen. Trotz aller Skepsis ist abzusehen, dass Oskar Humboldts Angebot, ihn auf seiner Reise zu begleiten, nicht ablehnen kann. Die Verlockung ist einfach zu groß für den Jungen. Was wird er Augen machen!

Nachdem sie sich zusammengerauft haben und Vertrauen gewachsen ist, ergänzen sich die fünf Reisenden zu einem unschlagbaren Team.
Und das ist auch gut so, haben sie in Max Pepper und Valkrys Stone starke Gegner, die nicht zu unterschätzen sind!
Max, der es so gar nicht mit Ortsveränderungen hat, mimt anfänglich eine eher Mitleid erregende Person, doch an Valkrys Seite kommt auch er nicht umhin, mit den Aufgaben zu wachsen. Valkrys Stone hingegen lässt vom ersten Augenblick keinen Zweifel daran, wer im Ring das Sagen hat. Sie ist intelligent, durchtrieben, kurz und gut mit allen Wassern gewaschen. All ihre Härte und Kälte rühren daher, dass sie eine alte Rechnung mit Humboldt zu begleichen hat. Wer hätte das vermutet? Doch mehr wird an dieser Stelle nicht verraten.


Aufmachung des Buches
Die „Chroniken der Weltensucher“ erscheinen in gebundener Ausgabe mit Schutzumschlag und Lesebändchen im Loewe Verlag. Der Auftakt „Die Stadt der Regenfresser“ ist nicht nur inhaltlich, sondern auch äußerlich ein Erlebnis! Für den Umschlag mit Prägedruck zeichnen gleich drei Personen verantwortlich: Christian Keller (Gestaltung), Dirk Steinhöfel (Illustration des Rahmens) und der Autor Thomas Thiemeyer höchstpersönlich (Illustration des Innenmotivs). In liebevoller Detailarbeit ist ein phantastisches Gesamtbild entstanden, das aus unzähligen Einzelheiten besteht, wie beispielsweise Zahnräder in unterschiedlichen Arten und Größen, diverse Metallbeschläge, einer Stoffapplikation, geheimnisvoller Symbolik und als zentrales Highlight ein hochglänzendes Innenmotiv passend zum Buchinhalt. Der dunkelblaue Einband fasst dieses Motiv als edle Silberprägung auf, ergänzt um wenige Zahnräder links und rechts.
Im Inneren des Romans findet der Leser vorne wie hinten nostalgische Windkarten der Erde aus dem Jahre 1840.
Anhängend zur Geschichte bietet die Encyclopedia Humboldtica Informationen zu Schauplätzen, Gegenständen, Personen und dergleichen.
Eine außerordentlich mühevolle, gelungene Aufmachung, die keine Wünsche offen lässt!


Fazit
Thomas Thiemeyer ist mit „Die Stadt der Regenfresser“ ein grandioses Genre-Debüt gelungen! Er lässt Wirklichkeit und Phantasie übergangslos verschmelzen. Farbenfroh und lebendig warten exotische Orte und faszinierende Charaktere auf den abenteuerlustigen Leser.
Ob dunkelste Abgründe des Meeres oder Meteoriten mit seltsamen Eigenschaften – mit Begeisterung folgen wir Thomas Thiemeyer auch in den Folgebänden in seine höchst individuelle, originelle Welt!



Hinweise
Rezension von Patricia Merkel


Dieses Buch kaufen bei: amazon.de

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