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Die Weimarer Republik (1918–1933) als erste deutsche Demokratie gilt als Zeit der Krisen und der Übergänge – vom deutschen Kaiserreich bis zum totalitären Regime im Nationalsozialismus. Zahlreiche Künstler haben in ihren realistischen, ironischen, grotesken bis kritisch-analytischen Darstellungen diese Jahre nicht nur abgebildet, sondern wollten die Zustände kommentieren und gesellschaftlich verändern. Mit Werken von Otto Dix und George Grosz über Conrad Felixmüller und Christian Schad zu Dodo, Jeanne Mammen, Elfriede Lohse-Wächtler und vielen anderen berühmten wie neu zu entdeckenden Künstlern und Künstlerinnen entsteht ein vielschichtiges und politisches Bild der Weimarer Republik.

 

Glanz und Elend in der Weimarer Republik 

Autor: Ingrid Pfeiffer (Hrsg.)
Verlag: Hirmer Verlag
Erschienen: 1. Oktober 2017
ISBN: 978-3777429328
Seitenzahl: 300 Seiten

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Umsetzung, Verständnis und Zielgruppe
Die Weimarer Republik entstand nach der Novemberrevolution und der Ausrufung der Republik 1918 als Hoffnungsträger und endete 1933 mit der Ernennung Adolf Hitlers als Reichskanzler. Was als das goldene Zeitalter begann und mit dem nationalsozialistischen Desaster in die Geschichte einging, wird in diesem Buchkatalog zur gleichnamigen Ausstellung in der Frankfurter Schirnhalle eindrücklich aufbereitet.

Nach einem kurzen geschichtlichen Überblick hebt Philipp Demandt, Direktor der Schirnhalle Frankfurt, in einem Vorwort die Unterschiede zu vergangenen Ausstellungen, die sich mit der Weimarer Republik befassten, hervor. Die Ausstellung in der Schirnhalle, die diesem Buch zugrunde liegt, ist thematisch und nicht nach Stilen geordnet. So sehen wir ein Potpourri unterschiedlichster Kunstrichtungen thematisch zusammengefasst.

Im titelgebenden Kapitel „Glanz und Elend in der Weimarer Republik“ beschreibt die Kuratorin und Herausgeberin Ingrid Pfeiffer die Weimarer Republik als „ein vielgestaltiges und zersplittertes Zeitpanorama“. In ihrem Essay zieht sie eine künstlerische Bilanz von dem wohl bekanntesten Maler dieser Zeit Otto Dix über Georg Grosz, Otto Griebel, Rudolf Schlichte bis hin zu den weniger bekannten Künstlern Heinrich Maria Davringhausen oder Lea Grundig. Wie dicht Glanz und Elend beieinander liegen, zeigen die Bilder in diesem Kapitel. Otto Dix, Karl Hubbuch, Lea Grundig, sie alle bannen ihre Städte, egal ob Berlin oder Dresden, auf Leinwände, die den Stempel des verlorenen Krieges tragen, den kurzen gefühlten Aufstieg und die Verdrängung des Kriegs in den Zwanzigern, aber auch erste Warnungen vor der rechten Gesinnung, die sich die immer größer werdende Arbeitslosigkeit und die Inflation - 1923 kostete in Berlin ein Laib Brot über 10 Millionen Mark - zu Nutze machten, wie das Bild Georg Scholz` “Café (Hakenkreuzritter)“ schon 1921 bemerkenswert hellsichtig aufzeigt. Der politische Umbruch und die Findung der Demokratie fordert viele Opfer. Bilder Oskar Nerlingers, Karl Hubbuchs oder auch Hanna Nagels bissig-spöttisches Bild „Selbstmordkandidaten“ von 1930 lassen den Betrachter vor solchem Elend und Zynismus regelrecht erstarren.

Deutschland feiert das Ende der  Kaiserzeit, die Moderne tritt ihren Siegeszug an, die Vergnügungsetablissements schießen wie Pilze aus den Boden, Jeanne Mammen hielt diese Entwicklung mit ihren Nutten in fadenscheiniger Eleganz fest. Kriegskrüppel (Otto Dix) sind ebenso sinnbildhaft wie es chic war, Kommunist oder Faschist zu sein. Hinzu kommt der Geschlechterwandel. Frauen werden selbstbewusster, tragen „Bubikopf“, die Männer rasieren sich ihren „Kaiser“-Bart ab und wirken plötzlich androgyn und die Homosexualität wird zu einer Protestbewegung. Frauen, allen voran Hanna Nagel, protestieren gegen den schon fünfzig Jahre alten Paragrafen 218 bildlich mit der Darstellung des Elends, welches dieser verursacht. Aber auch Otto Dix und Hainz Hamisch widmen sich diesem Thema.

Weitere Abbildungen in diesem grandiosem Buchkatalog sind thematisch unter „Verismus bei Otto Dix und George Grosz“, „Kultur des Spektakels“, „Glanz und Elend der neuen Frau  in der Weimarer Republik“, „Paragraf 175 und Magnus Hirschfeld“, „Aufbruch oder Utopie“, „`Deren Sorgen und Rothschilds Geld´“ und  „Chancen und Errungenschaften der Weimarer Republik“ zusammengefasst.

Die Darstellungen des tatsächlichen Lebens ohne jedwede Beschönigung trifft den Betrachter direkt ins Herz. Selbst die großformatigen Abbildungen der Originale strahlen Lebendigkeit aus. Liest man die dazugehörigen Essays, größtenteils  geschrieben von renommierten Kunsthistorikern, versteht man die Bilder in ihrem zeitlichen Kontext und die daraus resultierende Korrelation. Erfreulicherweise hat die Schirn Kunsthalle nicht nur die heute vergessen Künstler wieder ins Licht der Öffentlichkeit hervorgeholt, sondern auch die vielen Künstlerinnen, die in der Weimarer Republik sehr aktiv waren.


Aufmachung des Buches
Der Kunstbuchverlag Hirmer ist bekannt für seine hochwertigen Bücher. Jedes seiner Bücher ist ein Hochgenuss. So ist auch der vorliegende Prachtband in seiner ganzen Größe und Schwere qualitativ hochwertig eingebunden. Die auf 150g starken Seiten, auf Luxo Satin Papier gedruckten Abbildungen kommen hervorragend zur Geltung, ganz als stünde man direkt vor dem Original. Auf dem Coverbild ist „Margot“ von Rudolf Schlichter, um 1924, zu sehen, auf der Rückseite befindet sich „Beton“ von Karl Völker, ebenfalls um 1924. Im Anhang finden sich Künstlerbiografien, ein Werksverzeichnis und ein umfangreiches Impressum.


Fazit
Nicht nur für Kunstliebhaber ein Muss. Der Leser und Betrachter lernt nicht nur etwas über Kunst, sondern auch über Politik, über Aufstieg und Fall der Weimarer Republik. Wer könnte das besser illustrieren als die Künstler dieser Ära. Ein epochales Werk über den damaligen Zeitgeist, der in der heutigen Zeit wieder heraufbeschworen wird.


5 Sterne


Hinweise
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