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Island 1978. Ein Toter wird in einem Gewässer mitten in einem Lavafeld entdeckt. Kommissar Erlendur nimmt zusammen mit Marian Briem die Ermittlungen auf. Eine Spur führt zur nahe gelegenen US-Militärbasis. Dort scheint niemand mit der isländischen Polizei zusammenarbeiten zu wollen. Wurde dem Toten womöglich ein Militärgeheimnis zum Verhängnis?

Erlendur beschäftigt zudem das mysteriöse Verschwinden eines jungen Mädchens vor zwanzig Jahren, und er ermittelt auf eigene Faust. Das Mädchen war damals auf dem Schulweg an dem berüchtigten Camp Knox vorbeigekommen.

 

Tage der Schuld HB 

Originaltitel: Kamp Knox
Autor: Arnaldur Indridason
Übersetzer: Coletta Bürling
Sprecher: Walter Kreye
Verlag: Lübbe Audio
Erschienen: 02/2017
ISBN: 978-3-7857-5339-2
Spieldauer: 288 Minuten, 4 CDs; gekürzte Lesung


Die Grundidee der Handlung
Kommissar Erlendur und sein Mentor, Freund und Chef verhören gerade zwei junge Männer, die sie mit viel zu viel Drogen erwischt hatten, als ein weiterer Polizist Erlendur und Briem über einen Leichenfund informiert. Eine junge Frau hatte, während sie in einem Lavasee ihre Schuppenflechte behandeln wollte, eine grausame Entdeckung gemacht: Sie zog an etwas, was sich bei genauerem Hinsehen als Fuß und später als vollständige männliche Leiche entpuppte. In der Gerichtsmedizin ergeben sich gleich zwei Schwierigkeiten: Erstens gibt es nichts, womit sich das Opfer zweifellos identifizieren ließe, aber dafür reichlich Hinweise auf Verbindungen nach Amerika: Kleidung, Zigaretten, Schuhe. Zweitens war das Opfer nicht in dem See gestorben, sondern durch einen Sturz aus großer Höhe zu Tode gekommen. Trotzdem lässt die Tatsache, dass die Leiche weggeschafft wurde, einen Mord vermuten. Auf dem berüchtigten Camp Knox stößt die isländische Polizei auf Ablehnung. Nur mit einem Verbindungsoffizier darf dort überhaupt ermittelt werden. Und nur der Kooperationsbereitschaft dieses Verbindungsoffiziers ist es zu verdanken, dass es Hinweise auf die "Northern Cargo Transport" gibt, eine zivile Fluggesellschaft, die unter Millitärkennung fliegt. Warum tut sie das? Und ist ihr Geheimnis so dunkel, dass man dafür tötet?

Erlendur beschäftigt unterdessen noch ein weiterer Fall: Knapp 20 Jahre zuvor ist ein Mädchen auf ihrem Schulweg verschwunden, der ebenfalls in die Nähe des Camps führte. Das Mädchen ist nie wieder aufgetaucht, ihre Leiche nie gefunden worden. Hat auch sie etwas gesehen, was sie nicht hätte sehen dürfen? Erlendur ermittelt auch in diesem Fall auf eigene Faust.

"Tage der Schuld" folgt, oder genauer gesagt begründet die spätere "Tradition" Erlendurs. Besondere Faszination entwickeln auf den Kommissar wohl immer die Fälle, in deren Mittelpunkt vermisste Personen stehen und auch die Konzentration Erlendurs auf die Lebensumstände des Opfers, sein Auge für Details und seine Hartnäckigkeit sind hier bereits angelegt. Dass der "junge Erlendur" diesmal auch in einen Fall mit politischer Brisanz hineingezogen wird sowie die Zeit, in der die Handlung spielt, ist ein weiterer cleverer Schachzug von Indridason und meines Erachtens gelungen. Seine Ermittlungen machen ihn zu dem Kommissar der späteren Fälle: Einfühlsam und doch hartnäckig, menschlich und doch konsequent, zielstrebig und gerechtigkeitsliebend. Es macht wieder einmal Spaß.


Darstellung des Hörbuchs
Walter Kreye ist mittlerweile die Stimme für Indridason-Krimis. Ruhig und sanft und doch leicht rauh ist die Stimme, mit der Herr Kreye die Atmosphäre dieses auf mich immer noch mystisch wirkenden Landes einfängt. Perfekt passend. Stimmlich unterscheidet er die Personen wenig, aber ausreichend. Anstatt über stimmliche Unterscheidung arbeitet der Sprecher bzw. Autor eher über Wortwahl, sozialen oder gesellschaftlichen Status. Die Differenzen zwischen der US-Militärpolizei und den isländischen Kollegen der Zivilpolizei werden sehr gut greif- und spürbar. Überhaupt transportiert diese Lesung Emotionen stets wohldosiert und gekonnt. Dies gilt für beide Ermittlungsstränge gleichermaßen, kommt aber im "Vermisstenfall" eher zum Tragen, da im Fall des Tötungsdelikts eine "professionelle Notwendigkeit der Zusammenarbeit" die tatsächlichen Emotionen überspielt. Gelungene Lesung!


Aufmachung des Hörbuchs
Das Cover zeigt ein Gewäser bei Nacht. Im Hintergrund ist Eis im Wasser zu erkennen. Der Himmel ist stark bewölkt und drohendes Unheil scheint aufzuziehen. Kurz oberhalb des beschriebenen Bildes findet sich in roten Buchstaben der Titel des Buches, darüber in Weiß der Autorenname. Klappt man den Schuber auf, so zeigen sich zunächst Biografien von Autor und Sprecher, die jeweils die ganze Größe einnehmen und von Farbfotos begleitet sind. Klappt man den Schuber weiter auf, so finden sich die CDs, die unauffällig gestaltet sind. Auf den Einschublaschen gibt es weitere bibliografische Information zum Buch, sowie die Internetadresse des Verlages. Auf der dritten CD befindet sich der Hinweis auf einen weiteren Erlendur-Band und unter der vierten der Hinweis auf eine weitere Publikation aus dem Verlagshaus.


Fazit
Solider Islandkrimi. Wer wissen möchte, was den späteren Erlendur und seine Ermittlungsarbeit prägt, sollte den "jungen Erlendur" unbedingt lesen oder hören. Dass dieser Fall zudem schwierige und gefährliche politische Entwicklungen enthält, steigert die Spannung und macht die Auflösung überraschender, ohne ihr die Glaubwürdigkeit zu nehmen.

4 Sterne


Hinweise
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Backlist:
Teil 7: Frevelopfer
Teil 8: Abgründe
Teil 9: Eiseskälte
Teil 10: Duell
Teil 11: Nacht über Reykjavik 

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