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Wenn das Geld im Kasten klingt – springt dann wirklich die Seele in den Himmel? Konnte man sich im Mittelalter mit einem Ablass das Seelenheil erkaufen? Christiane Laudage stellt Vorurteile rund um das kirchliche Ablasswesen auf den Prüfstand und nimmt die Leser mit auf eine Entdeckungsreise in das Management des Jenseits im Diesseits. Das Buch zeichnet die Entstehung des Ablasswesens im Hochmittelalter sowie seine Blütezeit in der spätmittelalterlichen Frömmigkeit nach und zeigt auf, wie ein aus dem Ruder gelaufenes Ablasswesen zum Auslöser der Reformation werden konnte.

 

Das Geschaeft mit der Suende 

Autorin: Christiane Laudage
Verlag: Herder Verlag
Erschienen: 13.Oktober 2016
ISBN: 978-3-451-31598-5
Seitenzahl: 351 Seiten

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Umsetzung, Verständnis und Zielgruppe
„Den Ablass haben die Menschen im Mittelalter der Kirche bezahlt, um von den Sünden befreit zu werden und war DAS Geschäft für die Kirche um sich zu bereichern.“ – Soviel ist vermutlich bei jedem von uns vom Geschichtsunterricht hängengeblieben. Aber war es wirklich so? Woher kommt der Ablass? Wie wurde die Sache mit den Sünden und der Buße vor dem Ablass geregelt?

Die Historikerin Christiane Laudage nimmt uns auf eine spannende Reise ins Mittelalter mit, bis zu den Anfängen des Ablasssystems. Die Leser werden in eine Zeit "entführt", in der Himmel und Hölle ins Alltagsleben eingebunden waren und in der als Sühne für kleine Verfehlungen Fasten, Beten und "Almosen geben" als Wiedergutmachung gang und gäbe waren. Bei schweren Verfehlungen hatte der Sünder jedoch nichts zu lachen, denn dann wurde vom Bischof höchstpersönlich die heftigste der Strafen, die „kanonische Buße“, verhängt.

Auf kurzweilige Weise und aufgelockert durch 22 schwarzweiße Abbildungen, erläutert die Autorin viele interessante Fakten rund um das Thema "Christliche Religion und Ablass im Mittelalter". So erfährt man z.B., was es mit „In Sack und Asche gehen“ auf sich hatte, warum Bußen schon einmal 30 Jahre lang dauern konnten und warum die Priester später ein Bußbuch bekamen. Auch welche „Tarife“ für bestimmte Sünden galten und warum z.B. langes Fasten gegen kürzere, aber intensivere Frömmigkeitsübungen ausgetauscht werden konnte, wird gut nachvollziehbar erklärt. Wie und warum es dadurch zur Entwicklung des Tausches Sündenerlass gegen Bares kam, vom Beginn zur Ausbreitung der Ablasspraxis bis zum Missbrauch der eingenommenen Gelder findet man eine Menge Informationen in dem Buch. Auch über die Entscheidungen des Papstes beim 4. Laterankonzil und was der Ablass mit den Fegefeuer zu tun hat oder was man über die Bettelorden wissen sollte, weiß die Autorin eine Menge zu sagen.

Im zweiten Teil wird beschrieben, was mit den Ablässen geschah. Im Kapitel „Ablass als Schwarmfinanzierung“ kann man nachlesen, wie Ablässe für den Bau von Kirchen, Hospitälern  Brücken, Straßen und Dämmen oder als Katastrophenhilfe genutzt wurden. Was es mit den Bruderschaften, den Pilger- und Wallfahrten, den Ablassbildern, der Heiligenverehrung uvm. auf sich hatte, ist in diesem Teil des Buches ebenfalls zu finden. Waren die Handlungen der Kirchenvertreter nach dem Motto „Die Welt will betrogen sein, also soll sie betrogen werden“ die übliche Praxis oder eher die unrühmliche Ausnahme? Im 5. Kapitel des zweiten Teils erfährt man auch dazu viele informative Fakten.

Wissenswertes über „Die Plenarablässe“ ist im dritten Teil des Sachbuches zu finden, der sich den Kreuzzügen und den Kreuzzugsablässen widmet. Ebenso kann man hier viel - bisher Unbeachtetes bzw. möglicherweise auch völlig Unbekanntes - über die römischen Jubiläen (einschließlich zweier erfundener Jubiläumsbullen) und die Beicht- oder Ablassbriefe, deren Besitzer einen Beichtvater seiner Wahl aufsuchen konnte und Absolution erhielt, nachlesen. Die Autorin erzählt auch, wie der Ablassstreit die Reformation auslöste und zeigt auf, welche Veränderungen Martin Luther mit seiner Ablasskritik, die er in Form von 95 Thesen am 31.10.1517 in Wittenberg öffentlich machte, lostrat. Auch der Reaktion Roms auf Luthers Thesen wurde ausreichend viel Platz eingeräumt, bevor eine kurze Schlussbetrachtung das bisher eher stiefmütterlich behandelte Thema beschließt.

Bücherfreunde jeden Alters, die mehr über das Christentum und das Ablasswesen im Mittelalter bzw. über den Beginn der Reformation wissen möchten, werden mit Sicherheit viel Freunde an dem äußerst informativ und interessant geschriebenen Sachbuch haben.


Aufmachung des Buches
Das Hardcoverbuch ist mit einem blauen Schutzumschlag versehen, auf dessen Vorderseite im oberen Drittel eine bunte, mittelalterliche Illustration mit Textauszug prangt und so das Thema gut unterstreicht. Den restlichen Platz der Covergestaltung nehmen der Name der Autorin, der Titel und der Name des Verlags ein. Der Rückseitentext umfasst den Inhalt sehr gut und so kann man sich auch gleich ein gutes Bild vom Themenumfang des Sachbuches machen. Auf der vorderen Innenklappe ist das Ablasswesen noch etwas genauer umrissen, auf der rückwärtigen Innenklappe ist eine sehr knappe Kurzvita der Autorin zu finden. 22 Abbildungen im Buch lockern das Geschriebene etwas auf und erlauben einen kleinen Blick in die Vergangenheit. Das Buch wurde in drei Teile gegliedert. Die Anmerkungen zu bestimmten, nummerierten Aussagen im Buch wurden nach dem Schlusswort ebenfalls in drei Teilen zusammengefasst, sodass man sie ganz unkompliziert nachschlagen kann.  Ein nachfolgender Anhang mit Zeittafel, Papstliste, Bildnachweis, eine Kürzestvita der Autorin, sowie ein Namensregister wie auch ein Register der kirchlichen Dokumente vervollständigen das Buch.


Fazit
Ein sehr empfehleswertes Sachbuch für alle Leser, denen das 08/15-Wissen noch lange nicht reicht, die hinter die Kulissen blicken und mehr über die Hintergründe, Auswirkungen und Auswüchse der kirchlichen Ablässe durch die Priester und Päpste erfahren möchten.


5 Sterne


Hinweise
Dieses Buch kaufen bei: amazon.de oder deinem Buchhändler vor Ort

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