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Die alleinerziehende Maja hat mehr Sorgen als genug: Ihr Bio-Friseursalon mit den betreuungsintensiven Kunden fordert ihren vollen Einsatz, Sohn Willi steckt mitten in der Pubertät, und ihr Freund Robin kommt und geht, wie es ihm gefällt. Dann drückt Tante Ruth ihr Olga aufs Auge, ein superblondes Vollweib, das gleich einen wichtigen Kunden verunstaltet. Als Willi noch das Kiffen für sich entdeckt, muss Maja mit Kamm, Schere und starken Nerven um ihr Glück und ihre Existenz kämpfen.

 

Blonder wirds nicht 

Autor: Ellen Berg 
Verlag: Aufbau
Erschienen: 15. August 2016
ISBN: 978-3-7466-3190-5
Seitenzahl: 352 Seiten

Hier geht's zur Leseprobe


Die Grundidee der Handlung
Friseurin Maja hat es sicherlich nicht leicht, alleinerziehend mit einem Kind mitten in der Pubertät, selbständig, immer mit der Angst, dass der Salon nicht mehr läuft und auf ihren Freund kann sie sich schon gar nicht verlassen. Als sie erfährt, dass ihr Sohn Willi mehr als nur in der Klemme steckt, muss sie sich schnellstmöglich etwas einfallen lassen und benötigt jedwede Unterstützung, die sich nur auftreiben lässt. Wie gut, dass Tante Ruth kurz vorher beschlossen hat, ihre Nichte zu besuchen. Doch dass sie die aufreizend gestylte Olga kurzerhand als Azubine in den Salon einführt, geht dann doch etwas zu weit...

Ellen Berg setzt auf Charme, Humor und eine Prise Tollpatschigkeit, mit der sie vor allem ihre Protagonistin ausstattet. Dadurch ist das Chaos quasi vorprogrammiert, man muss nur darauf warten, bis es sich zur Gänze entfaltet hat. Danach bleibt nur zu hoffen, dass es für Schadensbegrenzung noch nicht zu spät ist. Aber auch dafür hat die Autorin das ein oder andere Mittel in petto.


Stil und Sprache
Aus der beobachtenden Perspektive erzählt, wird der Leser sogleich in Majas kleine Welt geworfen, der man auf den ersten Blick ansieht, dass sie anders ist als sie für die Friseurin erscheint. Daher verwundert es nicht, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis das Geschehen aus dem Ruder läuft und sich ein Durcheinander entfaltet, das es nicht nur zu ordnen, sondern auch an einigen Stellen zu kitten gilt. Auf großartige Überraschungen darf man innerhalb der Geschichte zwar nicht hoffen, es bleiben im Nachhinein aber Aspekte im Hinterkopf, die plötzlich doch ein ganz anderes Licht auf die Ereignisse werfen als zunächst angenommen. Denn die Erzählung bietet in einigen Teilen weitaus tiefgründigere Darstellungen als möglicherweise im Vorfeld erwartet.

Ellen Berg legt einen lockeren, flüssigen und einfachen Schreibstil zu Grunde, wodurch der Unterhaltungswert des Geschehens nochmals untermalt wird. Es ist daher ein Leichtes, der Geschichte zu folgen und auch zeitweise in diese einzutauchen, wobei man größtenteils eher ein außenstehender Beobachter bleibt. Bis zum Schluss gibt es Elemente, die keiner klaren Struktur zu folgen scheinen, andere wiederum sind bereits meilenweit vorhersehbar. So ergibt sich ein Mix, der den Leser einerseits aufseufzen lässt, wenn wieder einmal Klischees bedient werden, andererseits ist man auch das ein oder andere Mal positiv überrascht.


Figuren
Natürlich steht Friseurin Maja im Mittelpunkt des Geschehens, gleichzeitig scheint es, als würde sie sich am liebsten verkriechen und niemandem zu nahe kommen wollen. Entsprechend distanziert bleibt auch das Verhältnis zwischen Leser und Hauptdarstellerin. Nichtsdestotrotz verfolgt man ihre Geschichte gern, leidet ebenfalls, wenn sich ein weiteres Fettnäpfchen abzeichnet und hofft natürlich, dass sie ihren Sohn Willi heil aus der Misere befreien kann.

Mit den weiteren Figuren verhält es sich ähnlich. Niemand drängt sich auf, nicht einmal Olga. Allesamt werden sie hinreichend beschrieben und bilden jeder mit seinen Eigenarten einen bunten Haufen, der durchaus Wiedererkennungswert besitzt. Dennoch baut sich auch hier keine konkrete Nähe auf, es ist, als würde die eingeschworene Gruppe niemanden in ihre Mitte lassen wollen, was im Grunde auch nachvollziehbar ist, setzt man es einmal mit der Realität gleich.


Aufmachung des Buches
Es handelt sich bei dieser Ausgabe um ein Taschenbuch aus dem Aufbau Verlag. Ellen Bergs Cover zeichnen meist eine überzogene Darstellung des inhaltlichen Geschehens, wobei man sich bei dem vorliegenden nicht sicher ist, inwiefern dieses Szenario eingebaut werden soll. Im Vordergrund befindet sich, man kann es nicht anders sagen, ein wahrer Paradiesvogel, in Anlehnung an brasilianische Tänzerinnen. Das Outfit mag stimmen, auf Grund der überzeichneten Illustration erscheint die Umgebung jedoch alles andere als passend. Ein Mann mit Mantel, Tasche und Koffer, es ist nicht ersichtlich, ob er gerade kommt oder geht, betrachtet die Person. Da sein Gesicht abgewandt ist, ist eine konkrete Interpretation auch hier nicht möglich. Der Blick aus dem Fenster zeigt ein paar Dächer und möglicherweise Berge, aber hier ist das Bild bereits verschwommen. Wie eingangs erwähnt, eine inhaltliche Vereinbarkeit ist schwierig, neugierig macht das Titelbild aber in jedem Fall.


Fazit
Ellen Berg bietet dem Leser mit „Blonder wird’s nicht“ eine unterhaltsame Lektüre, in der glücklicherweise doch nicht alles so ist wie es auf den ersten Blick erscheint.


3 5 Sterne


Hinweise
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